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Mittwoch, 22. April 2015

Avifauna Europaea: Niederlande und Update April

Okay, dann schauen wir mal, was wir bei unserem Trip nach Amsterdam so gesehen haben und was sonst noch so im April vorbeigeflogen ist. Und da kommt spektakuläres auf uns zu!

Warzenente (Cairina moschata)

Ordnung: Anseriformes (Gänsevögel), Familie: Anatidae (Entenvögel) 

Warzenente (Cairina moschata)
Die Warzenente ist die Haustierform der mittel- und südamerkianischen Moschusente und wurde dort schon lange vor der Ankunft der Europäer als Haustier gehalten. In Nordamerika und Europa kommt sie an manchen Stellen als Neozoon vor, so offenbar auch im Amsterdamse Bos, dem Amsterdamer Stadtwald, wo wir dieses Paar gesehen haben. Ihren Namen haben sie von dem nackten Gesicht mit warzenartigen Hautpartien.
Ordnung: Pelecaniformes (Ruderfüßer) Familie: Ardeidae (Reiher)
Nachtreiher (Nyctocorax nyctocorax)
Nachtreiher mit Nistmaterial
Nachtreiher, Jungtiere
Die größte Überraschung, was Vögel in Amsterdam angeht, waren die Nachtreiher, die als Wildvögel eine kleine Brutkolonie im Artis Zoo gegründet haben. Normalerweise gehen sie ihren größeren Verwandten, den Graureihern aus dem Weg, indem sie überwiegend in der Dämmerung jagen und sich sonst versteckt halten. Im Zoo fällt aber genug Fisch für alle ab, so dass die kleine Nachtreiherkolonie zwischen den Graureihern bestehen kann. Die drei Jungvögel waren schon groß genug, um auch außerhalb des Nests herumzuflattern und die Gegend zu untersuchen.
In Mitteleuropa ist der Nachtreiher fast ausgestorben, so dass die Kolonie im Artis wohl in den Niederlanden unter Vogelliebhabern recht berühmt ist.Wir wussten aber vorher nichts davon und haben erst gemerkt, dass es Wildvögel sind, als sie frei herumgeflogen sind. Insofern sind sie nicht das erste, aber doch das spektakulärste Wildtier, das ich in einem Zoo beobachten konnte.
Rotmilan (Milvus milvus)
Ordnung: Accipitriformes (Greifvögel) Familie: Accipitridae (Habichtartige)
Rotmilan (Milvus milvus)
Der rotbraune Rotmilan mit dem deutlich gegabelten Schwanz, daher auch der Name "Gabelweihe", gehört zu den hübschesten Raubvögeln überhaupt. Gesichtet habe ich einen bei Hannover vom Zug aus und einen aus größerer Entfernung im Tierpark Sababurg bei Kassel. Und an Ostern ist mir endlich ein Bild von einem gelungen, der mit Beute in den Klauen über der Bahnstadt in Heidelberg flog. Er ist ein ähnlich opportunistischer Fresser wie der Schwarzmilan und daher auch häufig an Müllkippen zu finden, so dass die Beute auch gut ein Döner gewesen sein könnte...

Ordnung: Strigiformes (Eulen) Familie: Strigidae (Eigentliche Eulen)
Uhu (Bubo bubo)
Uhu (Bubo bubo)
Und seit gestern habe ich auch endlich eine Eule in der Liste - und nicht irgendeine, sondern die größte der Welt: Den Uhu! Tatsächlich gibt es in der Umgebung von Heidelberg mehrere Uhureviere, ein Kollege hat sogar schon einmal einen auf dem Dach des Nachbarhauses fotografiert. Mit der stämmigen Eulenform und den Federohren ist der Uhu auch als Silhouette eindeutig wieder zu erkennen. Das "Wu-uuu" konnte ich leider nicht aufnehmen...
Nachdem Uhus als Jagdkonkurrenten zu Anfang des 20ten Jahrhunderst massiv verfolgt wurden, sind heute Stromleitungen und der Mangel an geeigneten, gut strukturierten Lebensräumen ihre Hauptbedrohung. Allerdings nimmt der Bestand in Deutschland seit den 80er Jahren kontinuierlich zu. Es kann sich also lohnen, mal bei Sonnenauf- oder -untergang im Steinbruch zu lauschen...
Ordnung: Passeriformes (Sperlingsvögel) Familie: Muscicapidae (Fliegenschnäpper)
Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus)
Gartenrotschwanz, Männchen
Gartenrotschwanz, Weibchen
Der Gartenrotschwanz benötigt zum Brüten alte Bäume und ist daher eher in Parks und Gartenanlagen anzutreffen und weniger tief in Ortschaften als der Hausrotschwanz. Das Männchen gehört mit der prächtig orangeroten Brust, dem roten Schwanz, schwarzer Maske und grauem Scheitel zu den auffälligsten Vögeln hierzulande. Das Weibchen (neues Foto!) ist etwas schlichter, aber immer noch ein auffällig eleganter Vogel. Ihre Nahrung suchen sie vor allem am Boden.
Im Gegensatz zum Hausrotschwanz ziehen Gartenrotschwänze weiter nach Afrika südlich der Sahara und verlassen Mitteleropa dabei schon ab Mitte Juli. Wahrscheinlich sind verschlechterte Bedingungen in den Überwinterungsgebieten, wie vermehrter Pestizideinsatz die Gründe dafür, dass die Bestände der Gartenrotschwänze abnehmen, so dass die Art in Deutschland inzwischen auf der Vorwarnliste steht.

Schwarzkehlchen (Männchen)
Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola)
Schwarzkehlchen (Weibchen)
Das Schwarzkehlchen besiedelt offene Landschaften mit Büschen oder Hecken. Ein paar leben auch in der Umgebung von Heidelberg, die beiden im Bild stammen aber aus den Dünen bei Zaanford aan Zee in der Nähe von Amsterdam. Da geeignete Lebensräume in Mitteleuropa immer seltener werden, passiert das gleiche mit dem Schwarzkehlchen, das in Deutschland auf der Vorwarnliste steht und in manchen Bundesländern als bedroht gilt.

So, das war es für heute. Vielleicht komme ich demnächst dann ja mal zu den Säugetieren...

Sonntag, 5. April 2015

Avifauna Germanica: Update März/April

Okay, wir haben ein paar neue Vögel und ein paar neue schöne Bilder für ein paar, die wir schon hatten, also - Zeit für ein Update (Wie immer: Klick aufs Bild für die größere Version)!
Junge Nilgänse

Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)

Familie: Entenvögel (Anatidae)

Nilgans (Alopochen aegyptiacus)
Die ersten Nilgansküken auf der Neckarwiese waren dieses Jahr schon im Februar anzutreffen, inzwischen sind zwar nur noch zwei davon übrig, aber diese sind schon fast so groß wie ihre Eltern.

Knäkente (Anas querquedula)
Knäkente (Anas querquedula)
Fast so klein wie die Krickente, aber schlanker ist die Knäkente die einzige Ente, die als Langstreckenzieher den Winter südlich der Sahara verbringt. Ihr Name spielt auf die Laute an, die sie von sich gibt. Im Prachtkleid sind die Erpel mit ihrer auffälligen Musterung und vor allem dem kräftigen weißen Überaugenstreifen unverwechselbar.
Bei uns in Mitteleuropa sind Knäkenten als Brutvögel relativ selten, allerdings gelegentlich als Durchzügler anzutreffen. Das Tier im Bild war Teil einer Gruppe, die sich auf den Seen bei Waghäusel eingefunden hatte.

Weißwangengans (Branta leucopsis)
Weißwangengans (Branta leucopsis)
Die Weißwangen- oder Nonnengans ist ein Brutvogel des hohen Nordens, kommt bei uns aber gelegentlich auf dem Zug und selten auch als Brutvogel vor. Sie ist eine relativ kleine Gans und das Tier im Bild, das zur Zeit mit einem Trupp Nilgänsen im Raum Heidelberg unterwegs ist, ist nicht größer als diese.
Streifengans und Streifen-/Weißwangengans-Hybride?
In Waghäusel trifft man zudem zur Zeit häufig ein Tier an, das mit einer Streifengans unterwegs ist und bei dem es sich möglicherweise um eine Hybride aus Weißwangen- und Streifengans handelt - zumindest verbindet ihre Zeichnung Elemente beider Arten

Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)

Flußregenpfeifer (Charadrius dubius)

Familie: Regenpfeifer (Charadriidae)

Flußregenpfeifer (Charadrius dubius)
Der Flussregenpfeifer sieht dem Sandregenpfeifer sehr ähnlich, lebt aber eher im Inland, hat einen gelben Augenring und einen dunkleren Schnabel. Er überwintert in Afrika oder im Mittelmeerraum und sucht im Frühjahr bei uns geeignete Brutplätze auf. Mehrere Flußregenpfeifer sind zur Zeit mitten in Heidelberg auf den Brachflächen zwischen der Weststadt und Wieblingen unterwegs. Da diese aber demnächst wohl bebaut werden, sind sie wohl kein längerfristig geeigneter Brutraum...

Familie: Schnepfen (Scolopacidae)

Bekassine (Gallinago gallinago)
Die kBekassine ist eine mittelgroße Schnepfe mit sehr langem Schnabel und in Mitteleuropa sehr selten geworden. Ein Tier ist im Schilfgürtel bei Waghäusel mehrmals aufgeflogen, aber für ein Foto hat es leider nicht gereicht...

Ordnung: Sperlingsvögel

Familie: Bartmeisen (Panuridae)

Bartmeise (Panurus biarmicus)
Und noch ein schöner Vogel, von dem ich leider kein Bild habe. Ein Paar Bartmeisen war fast an der gleichen Stelle im Schilf unterwegs wie die Bekassine.
Blaukehlchen (Luscinia svecica)

Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)

Blaukehlchen (Luscinia svecica)
Als ein Vögelchen, dessen Name man nichterklären muss, brütet das Blaukehlchen im Schilfgürtel. Verschiedene Unterarten unterscheiden sich unter anderem durch die Farbe eines kleinen Flecks im blauen Kehlfleck, der im Norden und Osten des Verbreitungsgebiets rot ist, im Südwesten und damit auch bei uns weiß oder fehlt. In Waghäusel habe ich sowohl ein weißsterniges Männchen gesehen als auch das Tier im Bild ohne deutlichen Fleck. Blaukehlchen überwintern in Südspanien.

Familie: Meisen (Paridae)

Weidenmeise (Poecile montana)
Weidenmeise (Poecile montana)
Obwohl sie relativ häufig ist, ist die Weiden- oder Mönchsmeise scheuer und stärker an dichter bewaldete Gebiete gebunden und so schwerer zu beobachten und zu fotografieren als Kohl- und Blaumeise. Sie ist am häufigsten in Auwäldern, also in Gewässernähe anzutreffen und ist an ihrer dunkle Kappe, ein helles Feld im Flügel und einen relativ breiten schwarzen Fleck unter dem Schnabel von der sonst sehr ähnlichen Sumpfmeise unterscheidbar. Sie ruft im Frühjahr "zizidädädä". Weidenmeisen sind mir im Wald bei Schriesheim, am Neckar in Heidelberg und in Waghäusel begegnet - und von letzterem stammt jetzt endlich auch ein brauchbares Bild.
Heckenbraunelle (Prunella modularis)

Familie: Braunellen (Prunellidae)

Heckenbraunelle (Prunella modularis)
Die Heckenbraunelle ist einer der Vögel, die einem erst auffallen, wenn man einen gewissen Blick entwickelt hat. Auf Entfernung unauffällig und leicht mit einem Spatz zu verwechseln, wirkt sie von nahem mit dem schiefergrauen Kopf und bräunlich gefleckten Flügeln sehr elegant. Bei den Heckenbraunellen haben Männchen und Weibchen jeweils eigene Reviere, die sich teilweise überschneiden, so dass es zu recht komplizierten Mehrfachbeziehungen kommen kann. Das leidenschaftlich singende Männchen in Waghäusel hat mir jetzt endlich auch ein schönes Bild für diese Art ermöglicht.

Ordnung: Lappentaucher (Podicipediformes)

Familie: Podicipedidae

Schwarzhalstaucher, Schlichtkleid

Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis)
Schwarzhalstaucher, Prachtkleid

Der Schwarzhalstaucher ist kleiner als der Haubentaucher und lebt im Gegensatz zu den anderen Lappentauchern gesellig. Das Prachtkleid ist schwarz mit rotbraunen Flügel und eine Büschel gelber Federn hinter dem roten Auge. Das  Schlichtkleid ist - nunja, deutlich schlichter...
Schwarzhalstaucher sind rechtgesellig und die prachtgefärbten Tiere waren Teil eines größeren Trupps in Waghäusel, während das schlichtgefärbte Tier auf dem anderem Bild das mit dem geselligen Leben offenbar nicht gelesen hatte und ganz allein auf dem Silbersee unterwegs war.

Freitag, 13. März 2015

Avifauna Germanica: Update Februar/März

Und wieder ist es Zeit für ein kleines Update: Zwei neue Vogelarten mit Bild und eine jetzt mit einem ordentlichen. Los geht's!


Ordnung: Gänseartige (Anseriformes)/Familie Entenvögel (Anatidae)

Streifengans (Anser indicus)
Streifengans (Anser indicus)
Die Streifengans kommt eigentlich aus aus Zentral- und Südasien und kommt bei uns nur als Irrgast oder Gefangenschaftsflüchtling vor. Die Gans im Bild habe ich in Waghäusel angetroffen. Streifengänse sind Zugvögel, die bei ihren Wanderungen über den Himalaya ziehen. Ja, drüber weg, in Höhen bis 9000 Metern. Eine Mutation im Hämoglobingen erlaubt ihnen dabei wahrscheinlich, in dieser großen Höhe effektiv genug Sauerstoff zu binden, um noch die Leistung des Fliegens erbringen zu können. Wenn ihr also irgendwann mal auf den Everest klettert und euch dort ein Vogel auf den Kopf macht, wisst ihr jetzt, was es wahrscheinlich war...

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Familie: Finken (Fringillidae)

Bluthänflinge (Carduelis cannabina)
Bluthänfling (Carduelis cannabina)
Der Bluthänfling verdankt seinen Namen der rötlichen Färbung der Brust und seiner Ernährung von Samen, darunter auch Hanfsamen. Bluthänflinge leben in Busch- und Heckenlandschaften und sind häufig als kleine Schwärme anzutreffen, die oft im Chor singen. Den Hänflingschwarm im Bild habe ich an der großen Brachfläche in der Heidelberger Bahnstadt angetroffen

Familie: Ammern (Emberizidae)

Goldammer (Emberiza citrinella)
Goldammer (Emberiza citrinella)
Unsere häufigste Ammer ist am besten im Winter zu beobachten, wenn sie in Trupps Felder nach Nahrung absucht, während sie in der Brutzeit territoriale Paare bilden. Während Goldammern im Schlichtkleid nur einen etwas gelb gefärbten Kopf haben, haben die Männchen im Prachtkleid einen leuchtendgelben Kopf und eine Gelbe Brust. Ihr Gesang ist sehr charakteristisch und klingt wie „Ti-ti-ti-ti-ti-ti-üüüüüüh“, was auch mit dem Merkspruch „Wie wie wie hab ich Dich liiiiieeeeb“ umschrieben wird. Sinngemäß passt die Umschreibung ja auch irgendwie. Zumindest klingt es netter als die vielleicht noch etwas ehrlichere Übersetzung "Ich will mein Weibchen gerne begatten und hau jeden Kerl, der mir dabei in den Weg kommt"

Donnerstag, 26. Februar 2015

Avifauna Germanica: Update Mäusebussard

Junger Mäusebussard mit erbeuteter Socke
Heute gibt es zwar keinen neuen Vogel, aber wie der Zufall es so will, hat sich innerhalb einer Woche mein Bestand an Mäusebussardbildern einen großen Sprung aus der Mäßigkeit heraus gemacht (Zur Erinnerung). Der Jungvogel mit der Socke ist uns letzten Samstag in Stuttgart begegnet, der fliegende dunkle und der sitzende helle Vogel sind mit heute am Neckar begegnet.
 
Fliegender Mäusebussard
Helle Mäusebussardmorphe

Dienstag, 17. Februar 2015

Avifauna Germanica XVIIII: Spechte und Rackenvögel

Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)

Familie: Spechte (Picidae)

Buntspecht (Männchen)
Buntspecht (Dendrocopos major)
Buntspecht (Weibchen)
Der Buntspecht ist unser am leichtesten zu beobachtender Specht. Meist hört man ihn zuerst klopfen oder auch rufen, wobei er meist ein kurzes "kick" von sich gibt. Männchen, wie das Tier auf dem Bild, haben einen roten Fleck im Genick, während dieses bei den Weibchen durchgehend schwarz ist.
Buntspechte können in vielen verschiedenen Lebensräumen, auch mitten in der Stadt angetroffen werden, solange es dort Bäume gibt, an denen sie Insekten, Nüsse oder auch Nester kleinerer Vögel finden.


Schwarzspecht (Dryocopus martius)
Schwarzspecht (Dryocopus martius)
Unser größter Specht ist ein Insekten- und vor allem Ameisenfresser, der kräftig und ausdauernd genug ist, auch größere Ameisennester aus Bäumen regelrecht herauszumeißeln. Die Höhlen, die er zum Brüten anlegt, sind auch ein wichtiger Unterschlupf für viele andere Tierarten, die große Baumhöhlen benötigen, wie Eulen, Hohltauben, Dohlen oder Fledermäuse. Den Specht im Bild haben wir im Exotengarten in Weinheim gesehen.
Ein Schwarzspecht war übrigens auch das Vorbild für meine Comicfigur aus Schulzeiten "Buddy the Bird" (Wer möchte, findet einen Teil der Comics hier). Dass Buddy ein Specht ist, erkennt man außer am kräftigen Schnabel, auch daran, dass zwei seiner vier Zehen nach hinten gerichtet sind, um besser an Bäumen klettern zu können.

Grünspecht (Picus viridis)
Junger Grünspecht
Grünspecht (Picus viridis)
Im Gegensatz zu den meisten anderen Spechten, suchen Grünspechte ihre Nahrung, überwiegend Ameisen, meist am Boden. Ihre Rufe gehören zu den seltsamsten und unheimlichsten eiheimischen Vögelrufen, besonders der laute Warnruf "Kjück-kjück-kjück-kjück-kjück" ist im Frühjahr oft zu hören. Als ein Charaktervogel der immer seltener werdenden Streuobstwiesen, war der Grünspecht Vogel des Jahres 2014.

Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)

Familie: Eisvögel (Alcedinidae)

Eisvogel (Alcedo atthis) vor Stockenten
Eisvogel (Alcedo atthis)
Last but not least kommen wir noch zu einem der hübschesten einheimischen Vögel, der neben seiner Farbigkeit auch durch seine hohen, metallischen "tjüü"-Rufe auffällt. Eisvögel lassen sich tatsächlich immer wieder recht gut mitten in Heidelberg am Altneckar oder vom Wehrsteg aus, gelegentlich sogar an der Neckarwiese beobachten. Außerdem habe ich mehrere in Roxheim am Silbersee gesehen. Obwohl sie so bunt sind, sind sie am Ufer in Zweigen sitzend erstaunlich schwer zu entdecken und oft sieht man sie nur, wenn sie als hellblauer Blitz über das Wasser huschen.

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Und das waren sie - die 139 Vogelarten, die ich seit April 2014 in Deutschland beobachten konnte. Demnächst poste ich nochmal eine Übersicht und dann schauen wir mal, was ich mir als nächstes vornehme. Vielleicht die Säugetiere,oder Reptilien und Amphibien. Irgendwelche Wünsche?

Sonntag, 15. Februar 2015

Avifauna Germanica XVIII: Sperlingsvögel VI - Stelzen und Pieperund Finken/Nachträge

Wiesenpieper (Anthus pratensis)

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Familie: Stelzen und Pieper (Motacillidae)

Wiesenpieper (Anthus pratensis)
Wiesenpieper, die am häufigsten auf Moorwiesen oder Viehweiden anzutreffen sind, waren gerade in großer Zahl auf dem Durchzug auf Spiekeroog, als wir dort waren, der kleine neugierige Hüpfer auf dem Bild war aber der einzige, der sich abends bei schlechtem Licht am Hafen fotografieren ließ. Aufgeplustert wie auf dem Bild  In Deutschland, Frankreich und England kommen Wiesenpieper ganzjährig vor, südlich und westlich davon nur im Winter, nördlich und östlich nur im Sommer.


Bachstelze (Jungvogel)
Bachstelze (Motacilla alba)
Bachstelze (Altvogel)
Die Bachstelze ist unsere verbreitetste Stelze und auf Spiekeroog haben wir sogar ein Tier der britischen Unterart (Motacilla alba yarelli) gesehen. Diese "Trauerbachstelze" ist dort schwarz, wo unsere gewöhnliche Bachstelze grau ist. Bachstelzen sind an Gewässern oder auf Wiesen anzutreffen.

Gebirgsstelze (Motacilla cinerea)
Gebirgsstelze (Motacilla cinerea)
Mit kurzen Beinen und einem noch längeren Schwanz als die Bachstelze wirktdie Gebirgsstelze gleichzeitig elegant und etwas komisch. Sie leben an schnell fließenden Gewässern, was bei dem Tier im Bild die Fischtreppe am Wehrsteg in Heidelberg und die Teiche im Botanischen Garten umfasst hat. Naja, immerhin zu fünfizig Prozent richtig. Da der Bauch noch recht wenig gelb aufweist, handelt es sich wohl um einen noch jungen Vogel, der es einfach noch nicht besser wusste.


Familie: Finken (Fringillidae)

Stieglitz (Carduelis carduelis)
Stieglitz (Carduelis carduelis)
Der Stieglitz oder Distelfink ist unser farbenprächtigster Fink und von vorne gut durch das rote Gesicht, von hinten durch die kräftig gelben Streifen der Flügel zu erkennen. Ein Märchen erzählt, dass der Stieglitz zu schüchtern war, als Gott allen Vögeln ihre Farben gegeben hat und so am Ende für ihn nur noch ein paar Flecken in verschiedenen Farben übrig waren.
Stieglitze ernähren sich von reifen oder unreifen Samen, worauf auch der Name Distelfink hinweist, da Disteln zu den zahlreichen guten Nahrungspflanzen für die Art zählen. Distelfinken sind ist in offenen Gelände anzutreffen, im Herbst und Winter meist in kleinen Schwärmen, die sich häufig auf Büschen oder niedrigen Bäumen sammeln.


Grünfink (Carduelis chloris)
Grünfink (Carduelis chloris)
Der Grünfink oder Grünling wird seinem Namen durch das Grüne Gefieder sehr gerecht, ist aber bei schlechtem Licht (oder für Farbfehlsichtige wie mich) auch leicht an dem schmalen gelben Flügelstreifen erkennbar. Ihre Schwärme sitzen im Herbst und Winter nach meiner Erfahrung meist etwas höher auf Bäumen als die Stieglitze. Der relativ kräftige Schnabel weist sie, wie viele Finkenarten, als überwiegende Samenfresser aus.
Nachdem ab 2009 viele Grünfinken im "Grünfinkensterben" an einem Parasiten eingegangen waren (Trichomonas gallinae), sind sie inzwischen wieder häufig in Gärten, Parks und lichten gehölzen zu beobachten.



Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes)
Unser größter und beeindruckendster Fink beeindruckt besonders durch den massiven Schnabel, mit dem er sogar Kirsch- und Pflaumenkerne knacken kann. Als ich einem Kernbeißer im Bergfriedhof begegnet bin, hatte ich aber leider keine Kamera dabei...

Buchfink (Männchen und Jungvogel)
Buchfink (Fringilla coelebs)
Der Buchfink ist einer der häufigsten Brutvögel Mitteleuropas und fällt durch den rötlich-braunen Körper mit schwarz-weißen Flügeln und bei den Männchen grauer Kopfhaube auf. An Buchfinken wurden interessante Arbeiten zum Erlernen des Gesangs bei Vögeln durchgeführt, bei denen man festgestellt hat, dass nur das Grundschema des Gesangs angeboren ist, die Feinheiten aber erst erlernt werden müssen, wodurch sich beim Buchfinkengesang eine ganze Reihe regionaler "Dialekte" ergeben.


Girlitz (Serinus serinus)
Girlitz (Serinus serinus)
Unser kleinster Fink kam bis ins 19. Jahrhundert vor allem im Mittelmeerraum vor, hat sich dann aber erfolgreich ausgebreitet und ist kommt jetzt im Sommer auch bei uns als Brutvogel vor und kommt inzwischen bis Dänemark und Schweden vor. Er ist dabei als Kulturfolger vor allem in Gärten und anderen offenen Geländen mit Büschen anzutreffen.
Mit gelbem Kopf und gelber Brust ist er eigentlich unverkennbar und könnte höchstens mit der Goldammer verwechselt werden, die aber größer und schlanker ist, einen braunen Rücken und einen im Verhältnis längeren Schwanz hat.

Nachträge

Die folgenden Vögel sind mir in letzter Zeit noch vor die Kamera geflattert (oder habe ich im Fall der Rohrsänger vergessen...). Ich werde sie demnächst dort einordnen, wo sie eigentlich hingehören.


Ordnung: Gänsevögel (Aseriformes), Familie: Entenvögel (Anatidae)

Zwergsäger (Mergellus albellus)
Zwergsäger (Mergellus albellus)
Unser kleinster Säger ist mir am Silbersee bei Roxheim begegnet. Er ist nah mit der Schellente verwandt und die Küken der beiden Arten sehen sich so ähnlich, dass sie gelegentlich von den Eltern verwechselt werden, worauf hin die Kleinen später zur falschen Art zugehörig führen und es dann irgendwann Mischlingsküken gibt.

Familie: Rohrsängerartige (Acrocephalidae)

Rohrsänger (Acrocephalus spec.)
Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) und Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus)
Sumpf- und Teichrohrsänger sind weitere Zwillingsarten, die äußerlich kaum zu unterscheiden sind, sich aber in ihrem Gesang merklich unterscheiden. Sie leben in der Schilfzone an Gewässern und hängen dort auch ihre Nester auf, die zu den gesuchten Zielen für werdende Kuckucksmütter gehören.
Beide Arten sind bei uns nur im Sommer anzutreffen und ziehen im Winter nach Afrika südlich der Sahara.

Familie: Ammern (Emberizidae)

Goldammern (Emberiza citrinella)
Goldammer (Emberiza citrinella)
Unsere häufigste Ammer ist am besten im Winter zu beobachten, wenn sie in Trupps Felder nach Nahrung absucht, während sie in der Brutzeit territoriale Paare bilden. Ihr Gesang klingt wie „Ti-ti-ti-ti-ti-ti-üüüüüüh“, was auch mit dem Merkspruch „Wie wie wie hab ich Dich liiiiieeeeb“ umschrieben wird. Sinngemäß passt die Umschreibung ja auch irgendwie ;)
 
Rohrammer (Weibchen)
Rohrammer (Emberiza schoeniclus)
Bei den häufig in Schilfgebieten anzutreffenden Rohrammern haben die Männchen einen schwarzen Kopf, während die unscheinbaren Weibchen auf den ersten Blick wie ein Spatz aussehen. Während die meisten Rohrammern im Winter in den Süden ziehen, habe ich das Weibchen im Bild Anfang Februar in Roxheim angetroffen. Der ausdauernd vorgebrachte Gesang der Männchen soll auch Ursprung des Spruchs "schimpfen wie ein Rohrspatz" sein, allerdings schimpfen im Schilf auch oft andere Vögel, wie Rohrsänger oder tatsächlich Spatzen...



Und damit hätten wir tatsächlich auch die Sperlingsvögel geschafft! Nächstes Mal schließen wir die Vögel, die ich 2014 beobachten konnte mit den Spechten und Rackenvögeln ab.

Sonntag, 8. Februar 2015

Avifauna Germanica XVII: Sperlingsvögel V - Drosseln, Braunellen und Sperlinge

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Rotdrossel (Turdus iliacus)

Familie: Drosseln (Turdidae)

Rotdrossel (Turdus iliacus)
Rotdrosseln sind bei uns eher selten zu beobachten und kommen vor allem als Durchzieher nach Südwesteuropa vor, ein paar überwintern aber auch bei uns. Oft sind sie in größeren Schwärmen, häufig zusammen mit Staren oder Wacholderdrosseln unterwegs, die Rotdrossel auf dem Bild saß allerdings allein am Rand der Weststadt auf einem Baum. Sie brüten in den Birken- und Nadelwäldern Nordosteuropas. Rotdrosseln sind die kleinsten Drosseln und fallen durch den hellen Überaugenstreif und die rötlichen Flanken unter Unterseiten der Flügel auf, was ihnen auch den Namen gegeben hat aber auf dem Foto leider nicht zu erkennen ist.
 
Amsel (Männchen)
Amsel (Weibchen)
Amsel (Turdus merula)
Unsere häufigste Drossel und einer der bekanntesten Vögel bei uns ist die Amsel. Die schwarzen Männchen mit den gelben Schnäbeln gehören zu den melodischsten und abwechslungsreichsten Sängern unserer Vogelwelt. Im Spätsommer während der Mauser sehen sie allerdings häufig recht zerzaust aus und wenn sie dann noch sonnenbaden, wie das Männchen auf dem unteren Bild, dann wirken sie kaum wie ein gesunder Vogel. 
Sonnenbadende Amsel
Die Weibchen und Jungvögel wirken auf den ersten Blick viel unauffälliger, auf den zweiten Blick ist ihr schuppenartig geflecktes Braun aber ähnlich eindeutig und elegant, wie das Schwarz der Männchen.
2011 hatte ein Ausbruch des Usutu-Virus zu einem großflächigen Amselsterben geführt. Inzwischen lassen sich Amseln aber wieder überall antreffen. Allerdings war das bei weitem nicht immer so, denn die Amsel ist erst im 19. Jahrhundert zu einem Kulturfolger geworden und galt davor eher als scheuer Waldvogel.


Singdrossel (Turdus philomelos)
Singdrossel (Turdus philomelos)
Etwas kleiner als die Amsel, mit braunem Rücken und pfeispitzenförmig geflecktem Bauch ist die Singdrossel ein ähnlich guter Sänger wie die Amsel, allerdings singt sie etwas schriller und weniger flötend. Sie sind auch hervorragende Imitatoren, die in ihren Gesang andere Vogelgesänge einflechten können. Die Singdrossel im Bild konnte die Rufe von Zilpzalp, Kohlmeise, Mäusebussard, Halsbandsittich sowie das Auffliegegeräusch von Ringeltauben verblüffend gut nachmachen und hat diese im Bergfriedhof in beeindruckender Ausdauer in andere Meldodieelemente eingeflochten. Tatsächlich singen Sindrosseln bis fast eine Stunde am Stück, unterbrochen nur durch kurze Pausen, wenn sie ihren Sitz ändern.

Wachholderdrossel (Turdus pilaris)
Wachholderdrossel (Turdus pilaris)
Die Wacholderdrossel ist ähnlich groß wie die Amsel und gut an ihrem grauen Kopf und den rotbraunen Flügeldecken zu erkennen. Sie hat sich in den letzten 200 Jahren zunehmend nach Westen ausgebreitet und kommt heute bis nach Frankreich vor. Wieso ihr diese Ausbreitung gelungen ist, ist allerdings völlig unklar. Besonders auffällig waren die Wacholderdrosseln während des Amselsterbens, wo sie teilweise überall da auftauchten, wo man eigentlich eine Amsel erwartet hatte. Im Herbst und Winter bilden sie im Gegensatz zur Amsel oft größere Schwärme und ziehen teilweise nach Südeuropa. Eine melodische Sängerin ist die Wacholderdrossel nicht, sie gibt eher schrille und krächzende Strophen von sich.

Misteldrossel (Turdus viscivorus)
Misteldrossel (Turdus viscivorus)
Unsere größte Drossel ist der Singdrossel äußerlich sehr ähnlich, aber durch die Größe, und die runderen Bauchflecken von dieser unterscheidbar. Außerdem sind sie relativ scheu und daher seltener zu sehen als Singdrosseln. Misteldrosseln sind bei uns überwiegend im Sommer beobachtbar, da die meisten in Südwesteuropa überwintern. Ihren Namen hat sie von den Mistelfrüchten, die im Winter einen großen Teil der Nahrung ausmachen.

Familie: Braunellen (Prunellidae)

Heckenbraunelle (Jungvogel)
Heckenbraunelle (Altvogel)
Heckenbraunelle (Prunella modularis)
Die Heckenbraunelle ist einer der Vögel, die einem erts auffallen, wenn man einen gewissen Blick entwickelt hat. Auf Entfernung unauffällig, wirkt sie von nahem elegenat mit dem schiefergrauen Kopf und bräunlich gefleckten Flügeln.

Familie: Sperlinge (Passeridae)

Haussperling (Männchen)
Haussperling (Weibchen und Jungvogel)
Haussperling (Passer domesticus)
Unseren (nach dem Buchfink) zweithäufigsten Brutvogel in Mitteleuropa, kennt wohl jeder. In Städten kommt er zahlreich vor, aolange es geeignete Brutplätze gibt, was heute alerdings nicht mehr immer der Fall ist, weshalb der Haussperlingbestand in den letzten Jahren deutlich abgenommen hat. Die Männchen fallen durch ihre graue Kappe und den breiten, schwarzen "Bart" auf.

Feldsperling (Passer montanus)
Unser zweiter Spatz ist etwas kleiner, Weibchen und Männchen sehen gleich aus und beide haben einen braunen Scheitel. Ein Bild habe ich aber leider nicht...

Das war's für heute. Nächstes Mal schließen wir die Sperlingsvögel mit den Stelzen und Piepern und den Finken ab.