Sonntag, 15. Februar 2015

Avifauna Germanica XVIII: Sperlingsvögel VI - Stelzen und Pieperund Finken/Nachträge

Wiesenpieper (Anthus pratensis)

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Familie: Stelzen und Pieper (Motacillidae)

Wiesenpieper (Anthus pratensis)
Wiesenpieper, die am häufigsten auf Moorwiesen oder Viehweiden anzutreffen sind, waren gerade in großer Zahl auf dem Durchzug auf Spiekeroog, als wir dort waren, der kleine neugierige Hüpfer auf dem Bild war aber der einzige, der sich abends bei schlechtem Licht am Hafen fotografieren ließ. Aufgeplustert wie auf dem Bild  In Deutschland, Frankreich und England kommen Wiesenpieper ganzjährig vor, südlich und westlich davon nur im Winter, nördlich und östlich nur im Sommer.


Bachstelze (Jungvogel)
Bachstelze (Motacilla alba)
Bachstelze (Altvogel)
Die Bachstelze ist unsere verbreitetste Stelze und auf Spiekeroog haben wir sogar ein Tier der britischen Unterart (Motacilla alba yarelli) gesehen. Diese "Trauerbachstelze" ist dort schwarz, wo unsere gewöhnliche Bachstelze grau ist. Bachstelzen sind an Gewässern oder auf Wiesen anzutreffen.

Gebirgsstelze (Motacilla cinerea)
Gebirgsstelze (Motacilla cinerea)
Mit kurzen Beinen und einem noch längeren Schwanz als die Bachstelze wirktdie Gebirgsstelze gleichzeitig elegant und etwas komisch. Sie leben an schnell fließenden Gewässern, was bei dem Tier im Bild die Fischtreppe am Wehrsteg in Heidelberg und die Teiche im Botanischen Garten umfasst hat. Naja, immerhin zu fünfizig Prozent richtig. Da der Bauch noch recht wenig gelb aufweist, handelt es sich wohl um einen noch jungen Vogel, der es einfach noch nicht besser wusste.


Familie: Finken (Fringillidae)

Stieglitz (Carduelis carduelis)
Stieglitz (Carduelis carduelis)
Der Stieglitz oder Distelfink ist unser farbenprächtigster Fink und von vorne gut durch das rote Gesicht, von hinten durch die kräftig gelben Streifen der Flügel zu erkennen. Ein Märchen erzählt, dass der Stieglitz zu schüchtern war, als Gott allen Vögeln ihre Farben gegeben hat und so am Ende für ihn nur noch ein paar Flecken in verschiedenen Farben übrig waren.
Stieglitze ernähren sich von reifen oder unreifen Samen, worauf auch der Name Distelfink hinweist, da Disteln zu den zahlreichen guten Nahrungspflanzen für die Art zählen. Distelfinken sind ist in offenen Gelände anzutreffen, im Herbst und Winter meist in kleinen Schwärmen, die sich häufig auf Büschen oder niedrigen Bäumen sammeln.


Grünfink (Carduelis chloris)
Grünfink (Carduelis chloris)
Der Grünfink oder Grünling wird seinem Namen durch das Grüne Gefieder sehr gerecht, ist aber bei schlechtem Licht (oder für Farbfehlsichtige wie mich) auch leicht an dem schmalen gelben Flügelstreifen erkennbar. Ihre Schwärme sitzen im Herbst und Winter nach meiner Erfahrung meist etwas höher auf Bäumen als die Stieglitze. Der relativ kräftige Schnabel weist sie, wie viele Finkenarten, als überwiegende Samenfresser aus.
Nachdem ab 2009 viele Grünfinken im "Grünfinkensterben" an einem Parasiten eingegangen waren (Trichomonas gallinae), sind sie inzwischen wieder häufig in Gärten, Parks und lichten gehölzen zu beobachten.



Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes)
Unser größter und beeindruckendster Fink beeindruckt besonders durch den massiven Schnabel, mit dem er sogar Kirsch- und Pflaumenkerne knacken kann. Als ich einem Kernbeißer im Bergfriedhof begegnet bin, hatte ich aber leider keine Kamera dabei...

Buchfink (Männchen und Jungvogel)
Buchfink (Fringilla coelebs)
Der Buchfink ist einer der häufigsten Brutvögel Mitteleuropas und fällt durch den rötlich-braunen Körper mit schwarz-weißen Flügeln und bei den Männchen grauer Kopfhaube auf. An Buchfinken wurden interessante Arbeiten zum Erlernen des Gesangs bei Vögeln durchgeführt, bei denen man festgestellt hat, dass nur das Grundschema des Gesangs angeboren ist, die Feinheiten aber erst erlernt werden müssen, wodurch sich beim Buchfinkengesang eine ganze Reihe regionaler "Dialekte" ergeben.


Girlitz (Serinus serinus)
Girlitz (Serinus serinus)
Unser kleinster Fink kam bis ins 19. Jahrhundert vor allem im Mittelmeerraum vor, hat sich dann aber erfolgreich ausgebreitet und ist kommt jetzt im Sommer auch bei uns als Brutvogel vor und kommt inzwischen bis Dänemark und Schweden vor. Er ist dabei als Kulturfolger vor allem in Gärten und anderen offenen Geländen mit Büschen anzutreffen.
Mit gelbem Kopf und gelber Brust ist er eigentlich unverkennbar und könnte höchstens mit der Goldammer verwechselt werden, die aber größer und schlanker ist, einen braunen Rücken und einen im Verhältnis längeren Schwanz hat.

Nachträge

Die folgenden Vögel sind mir in letzter Zeit noch vor die Kamera geflattert (oder habe ich im Fall der Rohrsänger vergessen...). Ich werde sie demnächst dort einordnen, wo sie eigentlich hingehören.


Ordnung: Gänsevögel (Aseriformes), Familie: Entenvögel (Anatidae)

Zwergsäger (Mergellus albellus)
Zwergsäger (Mergellus albellus)
Unser kleinster Säger ist mir am Silbersee bei Roxheim begegnet. Er ist nah mit der Schellente verwandt und die Küken der beiden Arten sehen sich so ähnlich, dass sie gelegentlich von den Eltern verwechselt werden, worauf hin die Kleinen später zur falschen Art zugehörig führen und es dann irgendwann Mischlingsküken gibt.

Familie: Rohrsängerartige (Acrocephalidae)

Rohrsänger (Acrocephalus spec.)
Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) und Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus)
Sumpf- und Teichrohrsänger sind weitere Zwillingsarten, die äußerlich kaum zu unterscheiden sind, sich aber in ihrem Gesang merklich unterscheiden. Sie leben in der Schilfzone an Gewässern und hängen dort auch ihre Nester auf, die zu den gesuchten Zielen für werdende Kuckucksmütter gehören.
Beide Arten sind bei uns nur im Sommer anzutreffen und ziehen im Winter nach Afrika südlich der Sahara.

Familie: Ammern (Emberizidae)

Goldammern (Emberiza citrinella)
Goldammer (Emberiza citrinella)
Unsere häufigste Ammer ist am besten im Winter zu beobachten, wenn sie in Trupps Felder nach Nahrung absucht, während sie in der Brutzeit territoriale Paare bilden. Ihr Gesang klingt wie „Ti-ti-ti-ti-ti-ti-üüüüüüh“, was auch mit dem Merkspruch „Wie wie wie hab ich Dich liiiiieeeeb“ umschrieben wird. Sinngemäß passt die Umschreibung ja auch irgendwie ;)
 
Rohrammer (Weibchen)
Rohrammer (Emberiza schoeniclus)
Bei den häufig in Schilfgebieten anzutreffenden Rohrammern haben die Männchen einen schwarzen Kopf, während die unscheinbaren Weibchen auf den ersten Blick wie ein Spatz aussehen. Während die meisten Rohrammern im Winter in den Süden ziehen, habe ich das Weibchen im Bild Anfang Februar in Roxheim angetroffen. Der ausdauernd vorgebrachte Gesang der Männchen soll auch Ursprung des Spruchs "schimpfen wie ein Rohrspatz" sein, allerdings schimpfen im Schilf auch oft andere Vögel, wie Rohrsänger oder tatsächlich Spatzen...



Und damit hätten wir tatsächlich auch die Sperlingsvögel geschafft! Nächstes Mal schließen wir die Vögel, die ich 2014 beobachten konnte mit den Spechten und Rackenvögeln ab.

Sonntag, 8. Februar 2015

Avifauna Germanica XVII: Sperlingsvögel V - Drosseln, Braunellen und Sperlinge

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Rotdrossel (Turdus iliacus)

Familie: Drosseln (Turdidae)

Rotdrossel (Turdus iliacus)
Rotdrosseln sind bei uns eher selten zu beobachten und kommen vor allem als Durchzieher nach Südwesteuropa vor, ein paar überwintern aber auch bei uns. Oft sind sie in größeren Schwärmen, häufig zusammen mit Staren oder Wacholderdrosseln unterwegs, die Rotdrossel auf dem Bild saß allerdings allein am Rand der Weststadt auf einem Baum. Sie brüten in den Birken- und Nadelwäldern Nordosteuropas. Rotdrosseln sind die kleinsten Drosseln und fallen durch den hellen Überaugenstreif und die rötlichen Flanken unter Unterseiten der Flügel auf, was ihnen auch den Namen gegeben hat aber auf dem Foto leider nicht zu erkennen ist.
 
Amsel (Männchen)
Amsel (Weibchen)
Amsel (Turdus merula)
Unsere häufigste Drossel und einer der bekanntesten Vögel bei uns ist die Amsel. Die schwarzen Männchen mit den gelben Schnäbeln gehören zu den melodischsten und abwechslungsreichsten Sängern unserer Vogelwelt. Im Spätsommer während der Mauser sehen sie allerdings häufig recht zerzaust aus und wenn sie dann noch sonnenbaden, wie das Männchen auf dem unteren Bild, dann wirken sie kaum wie ein gesunder Vogel. 
Sonnenbadende Amsel
Die Weibchen und Jungvögel wirken auf den ersten Blick viel unauffälliger, auf den zweiten Blick ist ihr schuppenartig geflecktes Braun aber ähnlich eindeutig und elegant, wie das Schwarz der Männchen.
2011 hatte ein Ausbruch des Usutu-Virus zu einem großflächigen Amselsterben geführt. Inzwischen lassen sich Amseln aber wieder überall antreffen. Allerdings war das bei weitem nicht immer so, denn die Amsel ist erst im 19. Jahrhundert zu einem Kulturfolger geworden und galt davor eher als scheuer Waldvogel.


Singdrossel (Turdus philomelos)
Singdrossel (Turdus philomelos)
Etwas kleiner als die Amsel, mit braunem Rücken und pfeispitzenförmig geflecktem Bauch ist die Singdrossel ein ähnlich guter Sänger wie die Amsel, allerdings singt sie etwas schriller und weniger flötend. Sie sind auch hervorragende Imitatoren, die in ihren Gesang andere Vogelgesänge einflechten können. Die Singdrossel im Bild konnte die Rufe von Zilpzalp, Kohlmeise, Mäusebussard, Halsbandsittich sowie das Auffliegegeräusch von Ringeltauben verblüffend gut nachmachen und hat diese im Bergfriedhof in beeindruckender Ausdauer in andere Meldodieelemente eingeflochten. Tatsächlich singen Sindrosseln bis fast eine Stunde am Stück, unterbrochen nur durch kurze Pausen, wenn sie ihren Sitz ändern.

Wachholderdrossel (Turdus pilaris)
Wachholderdrossel (Turdus pilaris)
Die Wacholderdrossel ist ähnlich groß wie die Amsel und gut an ihrem grauen Kopf und den rotbraunen Flügeldecken zu erkennen. Sie hat sich in den letzten 200 Jahren zunehmend nach Westen ausgebreitet und kommt heute bis nach Frankreich vor. Wieso ihr diese Ausbreitung gelungen ist, ist allerdings völlig unklar. Besonders auffällig waren die Wacholderdrosseln während des Amselsterbens, wo sie teilweise überall da auftauchten, wo man eigentlich eine Amsel erwartet hatte. Im Herbst und Winter bilden sie im Gegensatz zur Amsel oft größere Schwärme und ziehen teilweise nach Südeuropa. Eine melodische Sängerin ist die Wacholderdrossel nicht, sie gibt eher schrille und krächzende Strophen von sich.

Misteldrossel (Turdus viscivorus)
Misteldrossel (Turdus viscivorus)
Unsere größte Drossel ist der Singdrossel äußerlich sehr ähnlich, aber durch die Größe, und die runderen Bauchflecken von dieser unterscheidbar. Außerdem sind sie relativ scheu und daher seltener zu sehen als Singdrosseln. Misteldrosseln sind bei uns überwiegend im Sommer beobachtbar, da die meisten in Südwesteuropa überwintern. Ihren Namen hat sie von den Mistelfrüchten, die im Winter einen großen Teil der Nahrung ausmachen.

Familie: Braunellen (Prunellidae)

Heckenbraunelle (Jungvogel)
Heckenbraunelle (Altvogel)
Heckenbraunelle (Prunella modularis)
Die Heckenbraunelle ist einer der Vögel, die einem erts auffallen, wenn man einen gewissen Blick entwickelt hat. Auf Entfernung unauffällig, wirkt sie von nahem elegenat mit dem schiefergrauen Kopf und bräunlich gefleckten Flügeln.

Familie: Sperlinge (Passeridae)

Haussperling (Männchen)
Haussperling (Weibchen und Jungvogel)
Haussperling (Passer domesticus)
Unseren (nach dem Buchfink) zweithäufigsten Brutvogel in Mitteleuropa, kennt wohl jeder. In Städten kommt er zahlreich vor, aolange es geeignete Brutplätze gibt, was heute alerdings nicht mehr immer der Fall ist, weshalb der Haussperlingbestand in den letzten Jahren deutlich abgenommen hat. Die Männchen fallen durch ihre graue Kappe und den breiten, schwarzen "Bart" auf.

Feldsperling (Passer montanus)
Unser zweiter Spatz ist etwas kleiner, Weibchen und Männchen sehen gleich aus und beide haben einen braunen Scheitel. Ein Bild habe ich aber leider nicht...

Das war's für heute. Nächstes Mal schließen wir die Sperlingsvögel mit den Stelzen und Piepern und den Finken ab.

Mittwoch, 28. Januar 2015

Avifauna Germanica XVI: Sperlingsvögel IIII - Goldhähnchen, Stare und Fliegenschnäpper

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Familie: Goldhähnchen (Regulidae)

Sommergoldhähnchen
Sommergoldhähnchen (Regulus ignicapilla)
Das Sommergoldhähnchen ist einer unserer kleinsten Vögel und würde mit dem kräftigen weißen Überaugenstreif streng wirken, wäre es nicht so winzig. Der lateinische Artname "ignicapilla" (Feuerkäppchen) weist auf den bei Weibchen gelben, bei Männchen orangen Scheitelstreif hin, der auf dem Bild leider nicht zu sehen ist. In Südwestdeutschland sind sie ganzjährig in Mischwäldern, Parks und Gärten anzutreffen, wo sie auf der Suche nach Insekten von Zweig zu Zweig hüpfen und ein hohes und leises "sisisi" von sich geben. Weiter im Norden ziehen sie im Winter Richtung Südwesten.


Wintergoldhähnchen
Wintergoldhähnchen (Regulus regulus)
Das Wintergoldhähnchen ist unser kleinster Vogel und ganzjährig an Nadelbäumen zu finden, wo es die Unterseite der Zweige nach winzigen Insekten und deren Larven absucht. Ihm fehlen der schwarze Augen- und weiße Überaugenstreif des Sommergoldhähnchens und der Schetielstreif ist weniger auffällig, dafür ist das Äuglein von einem etwas helleren Ring umgeben. Sein "sisisisisi" ist so hell und leise, dass man es leicht überhört. Da ihr Bestand stark schwankt, trifft man in manchen Jahren viele und in anderen wenige Wintergoldhähnchen - im Winter 2014/15 waren sie in Heidelberg und der Umgebung fast überall anzutreffen, wo eine Fichte steht - auch wenn nur aufmerksame Beobachter sie bemertkt haben.

Familie: Stare (Sturnidae)

Star (
Star im Prachtkleid
Sturnus vulgaris)
Star im Schlichtkleid
Der Star gehört zu unseren bekanntsten Vögeln, was sicher auch daran liegt, dass Stare außerhalb der Brutzeit meist in großen, oft lärmenden Gruppen unterwegs sind. Für den menschlichen Betrachter erscheinen Stare ungewöhnlicher Weise im weißgefleckten Schlichtkleid außerhalb der Brutzeit auffälliger als im glänzend schwarzen Prachtkleid. Tatsächlich entsteht das Prachtkleid durch Abwetzen der hellen Federspitzen des Schlichtkleids.
In Nordamerika wurden Stare 1890 im Central Park in New York ausgesetzt, um den Amerikanern den Genuß aller Vögel, die bei Shakespear erwähnt werden, zu ermöglichen. Heute breiten sie sich massiv aus und werden meist als Plage betrachtet...

Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)

Rotkehlchen (Erithacus rubecula)
Rotkehlchen (Erithacus rubecula)
Rotkehlchen (Jungvogel)
Das unverkennbare erwachsene Rotkehlchen erkennt wohl fast jeder, viel unauffälliger sind dagegen die dunkelbraunen gescheckten Jungvögel. Rotkehlchen sind melodische und abwechslungsreiche Sänger, die vor allem abends zu hören sind. Ursprünglich ein eher scheuer Waldvogel sind Rotkehlchen heute in allen Parks und Gärten anzutreffen und zeigen wenig Scheu vor Menschen.

Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca)
Trauerschnäpper (Weibchen)

Trauerschnäpper sind nach der dunkelbraunen bis pechschwarzen Rückenfärbung der Männchen benannt. Als Höhlenbrüter ist er besonders in Wäldern oder in Gärten und Parks mit Nistkästen anzutreffen und gehört dabei zu den Vogelarten, die am meisten vom Aufhängen von Nistkästen profitiert. Das Bild ist aus dem Bergfriedhof in Heidelberg. Trauerschnäpper jagen vorbeifliegende Insekten von einer Warte aus, was auch den Namen "Schnäpper" erklärt. Sie fliegen den Insekten dabei sehr geschickt nach und können sogar chaotisch hin- und herflatternden Tagfalter erfolgreich einfangen.
Bei uns sind Trauerschnäpper nur vom Frühjahr bis zum Herbst anzutreffen, den Winter verbringen sie im tropischen Afrika.


Grauschnäpper (Muscicapa striata)
Grauschnäpper (Muscicapa striata)
Das auffälligste Merkmal des ansonsten sehr unauffälligen Grauschnäppers ist der gestreifte Scheitel. Auch die helle Brust weist eine feine Längsstrichelung auf. Sie jagen ähnlich wie die Trauerschnäpper, bevorzugen aber höhere Warten, so dass sie vor allem dort vorkommen, wo es hohe Bäume gibt - oder Gebäude, denn von denen aus lässt sich auch gut jagen. Auch der Grauschnäpper überwintert im tropischen Afrika.
Das Bild stammt aus dem Neuenheimer Feld, wo diesen Sommer eine Familie Grauschnäpper zwischen den Gebäuden der Chemie und dem DKFZ unterwegs war und dabei oft genauso interessiert an dem Menschen mit der Kamera zu sein schien wie umgekehrt.


Steinschmätzer (Weibchen)
Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe)
Steinschmätzer (Männchen)
Steinschmätzer besiedeln offene, karge, oft steinige Landschaften, häufig im Gebirge oder an Küsten. Begegnet sind wir ihnen recht zahlreich auf Spiekeroog und ab und zu in den Weinbergen bei Rohrbach. In Deutschland ist er insgesamt aber sehr selten und gilt als vom Aussterben bedroht. Im Prachtkleid sind die Männchen noch deutlich kontrastreicher gefärbt, als das Tier im Bild.
Auch sie ziehen im Winter nach Afrika.


Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros)
Hausrotschwanz (Weibchen)
Hausrotschwanz (Männchen)
Der Hausrotschwanz war ursprünglich ein Gebirgsvogel, kommt heute aber auch häufig im Tiefland und dabei oft in Siedlungen vor - bei meinem Vater haben sie sogar einmal auf der Toilette gebrütet, nehmen aber inzwischen auch mit einem Brutkasten vor dem Fenster Vorlieb.
Einzelne Hausrotschwänze überwintern im Südwesten sogar bei uns, die meisten ziehen aber in den Mittelmeerraum oder nach Nordafrika.

Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus)
Gartenrotschwanz
Der Gartenrotschwanz benötigt zum Brüten alte Bäume und ist daher eher in Parks und Gartenanlagen anzutreffen und weniger tief in Ortschaften als der Hausrotschwanz. Das Männchen gehört mit der prächtig orangeroten Brust, dem roten Schwanz, schwarzer Maske und grauem Scheitel zu den auffälligsten Vögeln hierzulande. Ihre Nahrung suchen sie vor allem am Boden.
Im Gegensatz zum Hausrotschwanz ziehen Gartenrotschwänze weiter nach Afrika südlich der Sahara und verlassen Mitteleropa dabei schon ab Mitte Juli. Wahrscheinlich sind verschlechterte Bedingungen in den Überwinterungsgebieten, wie vermehrter Pestizideinsatz die Gründe dafür, dass die Bestände der Gartenrotschwänze abnehmen, so dass die Art in Deutschland inzwischen auf der Vorwarnliste steht.

Und damit wären wir für heute am Ende angekommen. Nächstes Mal schauen wir uns die Drosseln, Braunellen und Sperlinge an - und dort begegnen uns die zwei häufigsten Gartenvögel. Na, wer möchte einen Tipp abgeben?

Sonntag, 25. Januar 2015

Avifauna Germanica XV: Sperlingsvögel III - Grasmücken, Zaunkönige, Kleiber und Baumläufer

Zilpzalp (Phylloscopus collybita)

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Familie: Grasmückenartige (Sylviidae)

Zilpzalp (Phylloscopus collybita)
Der Zilpzalp ist am einfachsten an seinem Gesang zu erkennen, dem er auch seinen deutschen Namen verdankt und der in etwa wie "Zilp-zalp-zilp-zilp-zalp" klingt. Als Zugvogel verbringt er den Winter im Mittelmeergebiet oder am persischen Golf oder Oasen in der Sahara. Zu beobachten sind Zilpzalpe relativ schwieirg, da sie vor allem in den oberen Bereichen von Bäumen nach Insekten jagen, das Nest legen sie dagegen relativ tief an.
Zilpzalpe sind bei uns häufige Brutvögel, die im Wald, in Parks und in Gärten angetroffen werden können.

Fitis (Phylloscopus trochilus)
Fitis (Phylloscopus trochilus)
Äußerlich schwer vom Zilpzalp zu unterscheiden, hat der Fitis meist hellere Beine und einen kräftigeren Überaugenstreif. Sein Gesang ist aber viel melodischer, buchfinkenähnlich aber weicher und säuselnd. Da der Gesang für die Partnerfindung entscheidend sind, trennt der unterschiedliche Gesang die beiden "Zwillingsarten" mindestens so effektiv, wie es ein unterschiedliches Äußeres tun würde. Auch ziehen die Fitisse weiter nach Afrika südlich der Sahara und kommen daher bei uns etwas später wieder an, ein großer Teil der Fitisse zieht dabei noch weiter nach Nordeuropa.

Mönchsgrasmücke (Weibchen)
Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)
Mönchsgrasmücke (Männchen)
Unsere häufigste Grasmücke ist leicht an ihrer, bei Weibchen rotbraunen und bei Männchen schwarzen Kappe zu erkennen. Ihr Gesang beginnt mit etwas zwitschern und geht dann zu kräftig vorgetragenen, melodischen Tönen über.
Zur Zeit könnten sich unsere Mönchsgrasmücken tatsächlich in zwei Unterarten aufteilen, da ein Teil im Winter nicht mehr nach Süden, sondern nach Nordosten zieht, um auf den britischen Inseln zu überwintern, wo milde Winter und Vogelfütterung ihnen gute Bedingungen bieten. Die beiden Populationen beginnen sich dabei in Ankunftszeit, Körperbau und Färbung merklich zu unterscheiden.

Gartengrasmücke (Sylvia borin)
Die relativ scheue und unauffällige Gartengrasmücke sieht ein bischen aus wie eine braune Mönchsgrasmücke ohne Kappe. Zu hören ist sie öfter als zu sehen und die eine, die offen auf einer Dachkante saß war weg, bevor ich ein Foto machen konnte...

Familie: Zaungkönige (Troglodytidae)

Zaunkönig (Troglodytes troglodytes)
Zaunkönig (Troglodytes troglodytes)
Klein, niedlich, mit wippendem Schwänzchen ist der Zaunkönig unverwechselbar. In einer Fabel von Äsop wollten die Vögel ihren König dadurch bestimmen, wer am höchsten fliegen kann. Der Zaunkönig hatte sich im Gefieder eines mächtigen Adlers versteckt und als dieser am Ende seiner Kräfte über allen anderen kreist, hebt der Winzling ab und jubelt "Ich bin der König!". Weil die anderen Vögel den Wettbewerb als ungültig erklärt und den "Gewinner" verscheucht haben, sitzt der Zaunkönig heute vorichtshalber im Gebüsch und ruft von dort aus stolz und laut. Tatsächlich ist der Zaunkönig in der Lage für seine Größe erstaunlich laut zu singen. Mit bis zu 90 Dezibel kann er sogar Strassenlärm übertönen! Antreffen kann man ihn im Wald oder dicht bewachsenen Parks und Gärten.

Kleiber (Sitta europaea)
Familie: Kleiber (Sittidae)

Kleiber (Sitta europaea
Dieser Vogel mit blauem Rücken, orangem Bauch und Zorro-Maske ist der beeindruckendste Kletterer unter unseren Vögeln und hüpft kopfauf wie kopfüber an Baumstämmen auf der Suche nach Insekten herum. Im Winter hämmert er mit seinem kräftigen Schnabel auch Nüsse auf, was ihm auch den Namen "Spechtmeise". Der Name Kleiber weist auf das verkleben des Eingangs der Bruthöhle mit Lehm hin. So schaffen sie sich selbst geeignete Höhlen, in die kein größerer Feind oder Konkurrent eindringen kann.

Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla)

Familie: Baumläufer (Certhiidae)

Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla)
Waldbaumläufer (Certhia familiaris)
Die Baumläufer sind kleine, gut getarnte Vögel mit relativ langem, leicht gebogenen Schnabel, die an Baumstämmen und Ästen heruafkletternd Insekten jagen. Im Gegensatz zum Kleiber können sie aber nicht kopfüber klettern. Bei uns kommen zwei Arten vor, die sich äußerlich extrem ähnlich sehen und nur bei genauem Hinsehen durch die längere Hinterzehenkralle des Waldbaumläufers und ein etwas anderes Flügelmuster unterscheidbar sind. Der Gesang ist aber wie bei Zilpzalp und Fitis gut unterscheidbar.
Waldbaumläufer (Certhia familiaris)
Ihre Namen sind etwas irreführend, da beide Arten in Wäldern, Parks und Gärten vorkommen, wobei der Gartenbaumläufer Laub- und der Waldbaumläufer Misch- und Nadelwälder bevorzugt. Auf den ersten Blick wirken sie oft wie ein Mäuschen, das an einem Baum herumhuscht. Der Gartenbaumläufer im Bild saß auf einem Baum an der Neckarwiese, der Waldbaumläufer stammt aus einem kleinen Park in Mannheim.

So, das war es mal wieder. Nächstes Mal kommen wir zu noch kleineren Vögeln, außerdem zu Staren und Fliegenschnäppern.

Mittwoch, 21. Januar 2015

Avifauna Germanica XIIII: Singvögel II - Meisen, Lerchen, Schwalben und Schwanzmeisen

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Familie: Meisen (Paridae)

Blaumeise (Cyanistes caeruleus)
Blaumeise (Cyanistes caeruleus)
Die Blaumeise ist eine relativ kleine, zierliche Meise mit hellblauen Flügeln und einer hellblauen Kappe auf dem Kopf, wobei junge Meisen noch blasser, fast grau wirken. Anzutreffen ist sie fast überall, wo es Büsche oder Bäume gibt, in denen sie Insekten fangen kann oder wo sie im Winter Bucheckern oder Meisenknödel findet. Blaumeisen sind die geschicktesten Kletterer unter unseren Meisen und hängen oft in den abenteuerlichsten Posen an dünnen Zweigen, um Blattläuse oder andere Kleininsekten abzusammeln. Gegenüber anderen Vögeln sind sie erstaunlich frech und können so zum Beispiel am Futterhäuschen recht dominant auftreten, solange keine Kohlmeisen, Amseln oder Eichelhäher dazukommen. Ihre Rufe sind meist ein hohes "zizizi".

Kohlmeise (Parus major)
Kohlmeise (Parus major)
Die Kohlmeise ist unsere größte und häufigste Meise und dominiert in gemischten Trupps und an der Futterstelle über alle kleineren Vögel. Im Frühjahr ist ihr charakteristisches, wiederholtes "zizidää" fast überall zu hören, im restlichen Jahr hört man vor allem ihre schnarrenden Warnrufe, wenn ein Mitglied eines Trupps eine Katze oder einen Spaziergänger entdeckt hat. Kohlmeisen zeigen einen enormen Erfindungsreichtum beim Erschließen neuer Nahrungsquellen, so haben sie in England gelernt, die Aluminiumfolieverschlüsse von Milchkannen zu öffnen, benutzen teilweise Nadeln zum Stochern nach Insektenlarven und erlegen gelegentlich im Winter sogar andere kleine Vögel.

Weidenmeise (Poecile montana)
Weidenmeise (Poecile montana)
Obwohl sie ebenfalls häufig ist, ist die Weiden- oder Mönchsmeise scheuer und stärker an dichter bewaldete Gebiete gebunden und so schwerer zu beobachten und zu fotografieren. Sie ist am häufigsten in Auwäldern, also in Gewässernähe anzutreffen und ist an ihrer dunkle Kappe, ein helles Feld im Flügel und einen relativ breiten schwarzen Fleck unter dem Schnabel erkennbar. Sie ruft im Frühjahr "zizidädädä". Weidenmeisen sind mir im Wald bei Schriesheim, am Neckar in Heidelberg und in Waghäusel begegnet.

Sumpfmeise (Poecile palustris)
Sumpfmeise (Poecile palustris)
Die Sumpfmeise ist der Weidenmeise sehr ähnlich, hat allerdings kein helles Flügelfeld und einen deutlich schmaleren schwarzen Felck unter dem Schnabel, so dass sie zusammen mit dem dunklen Scheitel ein bischen wie ein ehemaliger deutscher Diktator aussieht, nur unendlich putziger...
Sumpfmeisen kommen zwar auch in Wassernähe vor, sind aber in trockenen Wäldern mindestens genauso häufig und kommen im Winter auch gelegentlich an Futterstellen, wenn die Blau- und Kohlmeisen sie denn lassen. Das Foto ist trotzdem von einem feuchten Standort und zwar vom Neckar in Heidelberg.

Familie: Lerchen (Alaudidae)

Feldlerche (Alauda arvensis)
Feldlerche (Alauda arvensis)
Die Feldlerche ist ein häufiger Vogel, gehört aber als Bodenbrütern zu den Vogelarten die bei uns als Folge intensivierter Landwirtschaft im Bestand stark zurückgegangen sind (um etwa 30% in den letzten 30 Jahren. Sie lebt in offenem, relativ trockenem Gelände und fällt besonders in der ersten Jahreshälfte durch den Singflug der Männchen auf - eine Kombination von zwei anstrengenden Tätigkeiten, die den meisten Menschen schon einzeln schwer fallen! Dabei steigen die Sänger in kleiner werdenden Spiralen bis auf etwa 60 Meter Höhe und singen bis zu einer Viertelstunde in einer Mischung aus Trillern und melodischen Elementen.
Feldlerche trifft man in offenen Gebieten an, die genug dauerhafte Deckung am Boden zum Brüten bieten. Das Bild stammt aus Spiekeroog.

Familie: Schwalben (Hirundinidae)

Mehlschwalbe (Delichon urbicum)
Mehlschwalbe (Delichon urbicum)
Die Mehlschwalbe ist bei uns ein Kulturfolger, der sein Lehmnest meist an der Außenseite von Gebäuden anbringt. Besonders häufig sind sie in Ortschaften in Gewässernähe anzutreffen, wo es für sie Mücken zu fangen gibt, Städte mit starker Luftverschmutzung meiden sie allerdings. Von der Rauchschwalbe ist sie durch die weiße Kehle und von der Uferschwalbe durch ein fehlendes dunkles Brustband unterscheidbar. Von hinten/oben ist auch der weiße Steiß auffällig. Sie rufen weit weniger schrill als Mauersegler wenn sie in schnellem Flug fliegende Kleininsekten jagen.
Mehlschwalben sind im Sommer häufig anzutreffen, das Bild stammt aus Stockstadt am Rhein.

Rauchschwalbe (Hirundo rusticus)
Rauchschwalbe (Hirundo rusticus)
Die Rauchschwalbe legt ihre Nester bevorzugt in Innenräumen wie Ställen oder Schuppen an, wobei ihr ein gekipptes Fenster reichen kann, um in ein Gebäude zu kommen. Sie ist leicht durch ihren bläulichen Rücken, die rote Kehle und die langen Schwanzspieße zu erkennen. Sie jagen oft bodennäher als Mehlschwalben.
In Heidelberg lassen sich Rauchschwalben am besten im Sommer am Wehrsteg über dem Neckar oder über den Feldern bei Handschuhsheim beobachten, das Bild mit den sitzenden Schwalben stammt vom Umweltzentrum Wittbülten in Spiekeroog. Außerdem gehört die Rauchschwalbe zu den Vogelarten, denen wir sowohl in Deutschland als auch in Mexiko begegnet sind.
Rauchschwalben (Hirundo rusticus)







 

Familie: Schwanzmeisen (Aegithalidae)

Schwanzmeise (Aegithalos caudatus)
Als letzten Vogel für heute,möchte ich Euch noch einen der meiner Meinung nach niedlichsten bei uns vorkommenden Vögel vorstellen: Die Schwanzmeise. Dieses unverwechselte Vögelchen bewohnt lichte Mischwälder und Parks und ist häufig in kleinen Trupps unterwegs. Sie gehört zu den wenigen Vögeln die sich das ganze Jahr über überwiegend von Insekten ernähren, aber nicht in den Süden ziehen.
Schwanzmeisen bauen ein kugeliges, dicht geflochtenes und of mit Flechten getarntes Nest.
Beide Bilder stammen vom Heidelberger Bergfriedhof.

So, das waren eine ganze Menge Vögel für heute! Nächstes Mal schauen wir uns Grasmücken und Zaunkönige an und vielleicht noch ein paar besonders gute Kletterer...