Freitag, 18. April 2014

Avifauna Yucatanensis IV

Willkommen zum großen Finale und ohne große Umschweife geht's los:

Weibchen
Ordnung: Ruderfüßer (Pelecaniformes)
Männchen
Familie: Fregattvögel (Fregatidae)
Art #50: Prachtfregattvogel (Magnificent Frigate Bird) - Fregata magnificens
Der erste Vogel, den ich auf Anhieb identifizieren wir und den wir schon bei unserer Ankunft in Cancun und später an jeder Küste gesehen haben, ist auch einer der beeindruckendsten.
Ausnahmsweise sitzend
Fregattvögel sind wahre Meister der Lüfte und gleiten pfeilschnell über den Himmel oder fliegen mühelos waghalsige Manöver, was vor allem dann auffällt, wenn man sie mit anderen Vögel zusammen sieht - was nicht unbedingt in deren Interesse ist, denn Fregattvögel greifen andere Seevögel an, um ihnen die Beute abzujagen. Eine Möwe, die im Flug am Schwanz gepackt und auf den Rücken gedreht wird, gibt ihren Fisch dann doch lieber her, als dass sie noch einen Looping drehen muss. Fregattvögel sind selbst für Vögel geradezu absurd leicht und kommen mit ca. 2,2 Metern Spannweite gerade einmal auf etwas über ein bis eineinhalb Kilogramm Gewicht.

Brauner Pelikan (Pelecanus occidentalis)
Familie: Pelikane (Pelecanidae)
Art #51: Brauner Pelikan (Brown Pelican) - Pelecanus occidentalis 
Fliegendes Männchen
Wenn der Dohlengrackel der Vogel ist, dem wir am häufigsten begegnet sind, dann waren die braunen Pelikane ohne Frage die unübersehbarsten. Zuerst sind sie uns in der Mangrove Celestun begegnet, wo eine große Kolonie in den Bäumen saß, später immer wieder an der Riviera Maya und natürlich auch in Sian Ka'an. Auf der Rückfahrt von Celestun nach Merida ist ein sehr großer, sehr heller Vogel hoch über unserem Bus vorbeigeflogen. Eigentlich kommt nur der Nashornpelikan (American White Pelican - Pelecanus erythrorhynchus) in Frage, aber das bleibt eine sehr unsichere Bestimmung, also gibt es dafür auch keinen Punkt.

Ohrenscharbe
Phalacrocorax auritus
Familie: Kormorane (Phalacrocoracidae)
Art #52: Ohrenscharbe (Double-crested Cormorant) - Phalacrocorax auritus 
Zugegeben, viele Leute würden Kormorane bei der Wahl zum hübschesten Vogel Mexicos nicht mal in die Jury wählen, aber da die meisten Leute noch nicht mal Vögel sind, haben sie in der Sache auch nicht wirklich etwas zu sagen. Begegnet sind sie uns an allen Küsten und an den Seen von Coba auch im Inland. Die größte Gruppe ist uns in der Mangrove von Sian Ka'an begegnet. Der deutsche und der englische Name spielen übrigens auf die Federbüschel an, die adulte Tiere im Prachtgefieder auf beiden Kopfseiten haben.


Adulte Tiere in prächtigem Rosarot
Ordnung: Flamingos (Phoenicopteriformes)
Familie:  Flamingos (Phoenicopteridae)
Art #53: Kubaflamingo (American Flamingo) - Phoenicopterus ruber
Kubaflamingo
Bei oben genanntem Wettbewerb hätten diese Jungs, die wir in der Mangrove Celestun gesehen haben wohl ganz andere Chancen. Hunderte von den rosaroten Vögel, die umso seltsamer aussehen, je länger man sie sich genau anschaut standen in der Fluss - die einzige Kolonie der Art in Mesoamerika.  
Der Kindergarten steht abseits
Die noch weiß-grauen Jungtiere standen in einer Gruppe weiter flussaufwärts, was entweder heisst, dass sie da sicherer waren, oder das Flamingos so eitel sind, dass die kleinen erst zur Party kommen dürfen, wenn sie sich rausgeputzt haben...

Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
Familie: Spechte (Picidae)
Art #54: Yuctanaspecht (Yucatan Woodpecker) - Melanerpes pygmaeus
Im Regenwald bei Palenque haben wir kurz zwei kleine Spechte gesehen und später noch einmal einen in Punta Allen in Sian Ka'an. Beim zweiten Mal konnte ich ihn gut durch das Fernglas sehen und schon auf Grund der sehr geringen Größe war es ziemlich sicher der endemische Yucatanspecht. Die Spechte in Palenque sahen ähnlich aus, waren aber soweit ich mich erinnere größer und damit wahrscheinlich Goldstirnspechte (Melanerpes aurifrons) aber diese Identifizierung ist mir für einen weiteren Punkt zu unsicher.
Ebenfalls im Regenwald von Palenque haben wir einen Tukan (Familie Ramphastidae) gehört, wahrscheinlich den dort vorkommenden Fischertukan (Keel-billed Toucan - Ramphastos sulfuratus), aber auch das ist mir für einen gewerteten Punkt zu unischer.

Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Eigentliche Papageien (Psittacidae)
Gelbscheitelamazone
Zwei Papageien sind in Palenque über uns weggeflogen, allerdings zu schnell, um sie unter den in Frage kommenden Arten zu identifizieren oder gar ein Bild zu machen. Stellvertretend hier daher die nicht allzu glücklich wirkende Gelbscheitelamazone (Yellow-crowned Amazon - Amazona ochrocephala), die wir auf der Fahrt von Campeche nach Palenque gesehen haben. Die Art kommt zumindest weiter westlich in Mexiko vor.

Ordnung: Eulen (Strigiformes)
Familie: Schleiereulen (Tytonidae)
Art #55: Schleiereule (Tyto alba)
Eine Shleiereule nistet in der Kirche am zentralen Platz von Campeche. Wir haben sie einfliegen sehen und haben ein bischen mit Kamera im Anschlag gelauert, aber zu einem Foto ist es leider nicht mehr gekommen.

Insgesamt kommen wir also auf 55 zumindest relativ sicher bestimmte Vogelarten, dazu 5 vermutete und eine bei der zumindest die Familie feststeht. Zum Vergleich zähle ich jetzt zurück in Heidelberg mit und schau mal, wieviele ich da in 15 Tagen hinbekomme...


Nächste Station: Mammalifauna Yucatanensis. Und für diejenigen, die immer noch nicht genug von yukatekischen Vögel haben, habe ich noch einen Surftipp zu einer Galerie mit hervorragenden Bildern: http://www.pbase.com/tmurray74/yucatan_birds    

Avifauna Yuctanensis III

Und wir kommen zur größten Vogelordnung, den Sperlingsvögeln, hier wird es bunt und melodisch!

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Rabenvögel (Corvidae)
Yucatanhäher (Cyanocorax yucatanensis) - adult und juvenil
Art #29: Yucatanhäher (Yucatan Jay) - Cyanocorax yucatanicus
Die Yucatanhäher sind ohne Frage einer der schönsten und unverwechselbasten Vögel die uns begegnet sind, wobei die Jungvögel mit ihrem gelben Schnabel und gelbem Ring um die Augen noch farbenprächtiger sind als die älteren Tiere mit schwarzem Schnabel. Die herrlichen hellblauen Flügel, den hellblauen Schwanz und die gelben Beine haben beide. Gesehen haben wir sie mehrmals in der Anlage unseres Hotels, wo sie die einzigen Vögel waren, die sich unter die Horden der Dohlengrackel gewagt haben. Die Art ist für Yucatan endemisch, kommt also nur hier vor.
 
Höhlenschwalbe (Petrochelidon fulva)
Familie: Schwalben (Hirudinidae)
Art #30: Rauchschwalbe (Barn Swallow) - Hirundo rusticus
Die Rauchschwalbe, wie sie auch bein uns vorkommt, ist uns in Campeche begegnet, wie sie an der Küste über dem Wasser Insekten gejagt hat. Leider zu schnell für ein brauchbares Foto, aber eindeutig identifizierbar.
Art #31: Höhlenschwalbe (Cave Swallow) - Petrochelidon fulva
Auch ein schneller, insektenjagender Flieger, den wir an der Küste der Riviera Maya mehrmals beobachten und immerhin einmal kurz auf einer Leitung sitzend fotografieren konnten. Durch orangebraune Kehle und ebensolchen Bauch gut von der vorherigen Art unterscheidbar.

Familie: Stärlinge (Icteridae)
Weiblicher und männlicher Maskentrupial (Icterus cucullatus)
Art #32: Maskentrupial (Hooded Oriole) - Icterus cucullatus
Maskentrupial heisst er, weil die Männchen ein schwarzes Gesicht haben. Mit dem schwarz-gelben Gefieder gehören die Trupiale sicher zu den auffälligsten und schönsten Vögeln, die uns in Mexico begegnet sind. Diese Art haben wir in Coba gesehen und einen Tag später noch einmal in unserer Hotelanlage. Die schwarze Maske und das weiße Flügelfeld sind eindeutig.
Schwarzkehltrupial (Icterus gularis)
Art #33: Schwarzkehltrupial (Altamira Oriole) - Icterus gularis
Der erste Trupial den wir gesehen haben, war win Schwarzkehltrupial in Uxmal. Mit schmaler schwarzer Maske um das Auge und die Kehle herunter und einem gelben Flügelfeld ist er genauso gut bestimmbar wie der Maskentrupial. Die dritte Trupialart Yucatans, den endemisch dort vorkommenden Goldtrupial (Icterus auratus) haben wir leider nicht eindeutig gesehen. Er hätte einen gelben Rücken, ein weißes Feld im Flügel und eine schmale Maske. Zwar sind uns noch einmal Trupiale auf der Hotelanlage begegnet, aber jeseits vom gelb-schwarzen Gefieder war zwischen den Blättern des Busches in dem sie herumhuschten nichts eindeutig zu erkennen.
Art #34: Rotaugenkuhstärling (Bronzed Cowbird) - Molothrus aeneus
Rotaugenkuhstärlinge (Molothrus aeneus)
Unverkennbar mit ihrem schwarzen Gefieder und den stechend roten Augen - das sieht nicht nur fies aus, als Brutparasit ist er das auch irgendwie. Die Trupiale oben drüber gehören zu den Arten, bei denen der Rotaugenkuhstärling gerne mal seine Eier mit ins Nest legt. Begegnet ist uns dieser Schwarm auf dem Weg von Campeche nach Palenque.
Art #35: Dohlengrackel (Great-tailed Grackle) - Quiscalus mexicanus
Weiblicher und männlicher Dohlengrackel (Quiscalus mexicanus)
Wer will Ärger?













Wenn es einen Vogel gibt, den wir als charakteristisch für Yuctan im Kopf behalten werden, dann sind das die Grackel. Überall vorkommend, immer zu sehen und zu hören - von Schnarren über Krächzen zu kurzen melodischen Gesangseinlagen ist alles drin - neugierig bis frech erfüllen sie so ziemlich all das, was wir in Mitteleuropa von Krähen, Tauben, Spatzen und Amseln zusammen erwarten - mit gesteigertem Unterhaltungswert. 
Gruppenbalz - vier Kerle und eine wenig beeindruckte Dame
Mal rutschen sie auf der Suche nach Resten über die Terasse des Hotels, ständig recken die Männchen in charakteristischer Haltung den Schnabel gen Himmel um sich gegenseitig oder die Damen zu beeindrucken, was einfach zum Brüllen aussieht, oder sie plustern sich zu einer beeindruckenden Kugel auf um anzuzeigen, dass sie jetzt wirklich sauer sind oder einen Moment nachher ein Weibchen bespringen - wenn die das zulässt. Denn auch wenn die etwas kleiner sind, lässt sich der Schnabel einfach nicht ignorieren. Gesehen haben wir sie vom ersten bis zum letzten Tag überall, außer in dichtem Wald und eindeutig war das auch immer, außer wenn sie mal wieder ein so unerwartetes Geräusch von sich gegeben haben, dass man erst hinschauen musste um zu erkennen: "Ach, wieder ein Grackel!"

Melanoptila glabirostris
Familie: Spottdrosseln (Mimidae)
Art #36: Glanzkatzenvogel (Black Catbird) - Melanoptila glabrirostris
Diesen hübschen Sänger konnten wir zweimal vom Balkon unseres Hotelzimmers aus beobachten. Die Art ist für Yucatan endemisch und mit schwarzem Gefieder, braunen Augen und der kahlen Falte am unteren Schnabel ist er auch sicher zu bestimmen. Trotzdem mussten wir zweimal hinschauen und dann noch mal am Foto nachprüfen, dass es auch sicher kein Grackel war...

Tropenspottdrossel (Mimus gilvus)
Art #37: Tropenspottdrossel (Tropical Mockingbird) - Mimus gilvus
Ein weiterer hübscher Vogel, den wir an der zuerst in Merida und später in allen Ortschaften entlang der Riviera Maya beobachten konnten - einigermaßen frech und mit einer gewissen Tendenz seine kontrastierenden Farben an erhöhten Stellen zu präsentiern. Im vollen Sonnenlicht sehen sie ein bisschen aus, als wären sie wie ein Pandabär gemustert. Spottdrosseln heissen sie, weil sie den Gesang anderer Vögel nachahmen - heute würde man sie sicher als Fandomvögel bezeichnen. 

Baumläuferwaldsänger (Mniotilta varia)
Familie: Waldsänger (Parulidae)
Art #38: Baumläuferwaldsänger (Black-and-white Warbler) - Mniotilta varia
Bei diesem kleinen Vögelchen, das uns in Wald von Coba begegnet ist, verrät der englische Name, wie er aussieht und der deutsche, was er kann - wie ein Kleiber am Stamm hoch-, runter und rundherumklettern, was er uns auch fleissig vorgeführt hat. So fleissig, dass ein gutes Foto nur möglich war, indem man auf den Stamm scharfgestellt und gewartet hat, bis er auf einer Seite wieder aufgetaucht ist.
Grünwaldsänger - Setophaga virens
Art #39: Grünwaldsänger (Black-throated Green Warbler) - Setophaga virens
Dieses kleine Kerlchen mit dem gelb-grauen Köpfchen (Grün? Was ist diese grün, von dem immer alle reden?) ist uns auch im Wald von Coba begegnet, tatsächlich an der selben Stelle wie der vorhergehende Waldsänger. Allerdings hat dieser sich lieber mit einem Huschen durch Geäst beschäftigt. Ein weiterer Unterschied ist, dass der Grünwaldsänger nur zum Überwintern in Mexico ist, eine Entscheidung, die gut nachvollziehbar ist. Die Identifikation war nicht ganz einfach (es gibt eine ganze Menge "warbler"!), aber inzwischen bin ich ziemlich sicher.

Familie: Tangaren (Thraupidae)
Art #40: Jacariniammer (Blue-black grassquit) - Volatinia jacarina
In Schwärmen auf den Feldern vor Merida haben wir diesen kleinen, schwarzen Vogel gesehen. Ich dachte immer, dass er uns nochmal von näherem vor die Kamera kommt, aber das war wohl nichts...

Familie: Tityridae
Rosenkehlbekarde (Pachyramphus aglaiae)
Art #41: Rosenkehlbekarde (Rose-throated Becard) - Pachyramphus aglaiae
Diesen hübschen Vogel konnten wir in Coba über uns in den Bäumen nisten sehen. Gegen das Licht haben wir sie erst nicht eindeutig identifizieren können, sondern erst abends auf dem Foto an Hand der roten Kehle.

Familie: Zaunkönige (Troglodytidae)
Art #42: Carolinazaunkönig (Carolina Wren) - Thryothorus ludovicianus
Diesen kleinen Kerl haben wir in Uxmal gesehen, aber der Schwarzkehltrupial daneben war auffälliger und hat vor allem länger stillgehalten, deshalb haben wir von dem ein Foto und sind auch bei dessen Identifizierung sicherer...
Gilbdrossel (Turdus grayi)
Familie: Drosseln (Turdidae)
Art #43: Gilbdrossel (Clay-colored Robin) - Turdus grayi
Diese hübschen Drosseln, deren deutscher Namen ihnen irgendwie nicht ganz gerecht wird und die ich daher lieber "Senfkehlchen" nenne (weil "robin" das Rotkehlchen ist und das Bestimmungsbuch die Brust als mustard-yellow beschreibt), haben wir in Palenque abends in unserer Hotelanlage beobachten können, wo sie als kleiner Schwarm unterwegs waren. Ihr Gesang ist melodisch.



Familie: Tyrannen (Tyrannidae)
Braunschopftyrann (Myiarchus tyrannulus)
Art #44: Starkschnabel-Maskentyrann (Boat-billed Flycatcher) - Megarynchus pitangua
Diesen Vogel haben wir wahrscheinlich im Regen auf einem Mast auf dem Weg von Campeche nach Palenque gesehen, aber die Identifizierung bleibt auf Grund der Umstände etwas unsicher.
Art #45: Braunschopftyrann (Brown-crested Flycatcher) - Myiarchus tyrannulus
Diesen kleinen Gesellen mit der modischen Frisur haben wir einmal kurz auf der Hotelanlage an der Riviera Maya gesehen, aber mir war erst zu Hause aufgefallen, dass das gar keiner der schon gelisteten Vögel war. Bei dem Foto bleibt aber eine gewisse Unsicherheit bei der Bestimmung.
Yucatanschopftyrann (Myiarchus yucatanensis)
Art #46: Yucatanschopftyrann (Yucatan Flycatcher) - Myiarchus yucatanensis
Noch ein Vögelchen, bei dem unser Fotomaterial zu wünschen übrig lässt, diesmal aus dem Wald von Coba, wo er zwar gut zu sehen war, aber gegen das Licht schwierig zu fotografieren. Die Bestimmung bleibt etwas unsicher, die Art wäre aber für Yucatan endemisch.
Rotscheitel-Maskentyrann (Myiocetes similis)
  Art #47: Rotscheitel-Maskentyrann (Social Flycatcher) - Myiozetetes similis
Ein weiterer kleiner, hübscher Tyrann, der uns in Campeche beim botanischen Garten und später öfter an der Riviera Maya begegnet ist. Den roten Scheitel haben wir nie gesehen, da er normalerweise zwischen den schwarzen Federn auf dem Kopf verborgen ist. Im Prinzip ist die Art mit nah verwandten Arten leicht zu verwechseln, worauf auch der lateinische Artname "similis" hinweist, aber bei uns in der Gegend sollte es relativ sicher diese Art sein, auch wenn auf größere Entfernung die Unterscheidung zur nächsten nicht einfach ist. Den Namen "Tyrannen" hat die Familie übrigens, weil sie ihre Reviere recht aggressiv auch gegen andere Vogelarten verteidigen, was wir allerdings nicht beobachten konnten.
Schwefeltyrann (Pitangus sulphuratus)
Art #48: Schwefeltyrann (Great Kiskadee) - Pitangus sulphuratus
Ähnlich der vorhergehenden Art, aber größer, mit kräftigerem Schnabel und gelbem Scheitel, den er uns aber genauso wenig gezeigt hat, ist uns dieser in Yucatan endemisch vorkommende Vogel mehrmals in unserer Hotelanalage an der Riviera Maya begegnet.

Trauertyrann (Tyrannus melancholicus)
Art #49: Trauertyrann (Tropical Kingbird) - Tyrannus melancholicus
Und wieder hören wir mit einer Art auf, die uns ein passendes Abschiedbild geliefert hat. Auch diesen relativ großen Tyrannen haben wir auf unserer Hotelanlage an der Riviera Maya und vorher in Tulum beobachten können -warum er traurig sein soll, haben wir aber nicht herausgefunden.

Uff, das war eine ganze Menge. Beim nächsten Mal erwartet Euch das große Finale mit langen Beinen, großen und buten Vögeln - tatsächlich sogar einmal all das in einem!

Mittwoch, 16. April 2014

Avifauna Yucatanensis II

Und weiter geht's! Heute mit Schreitvögel (Ciconiiformes) bis Kranichvögel (Gruiformes):

Silberreiher (Ardea alba)
Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)
Familie: Reiher (Ardeidae)
Art #12: Silberreiher (Great Egret) - Ardea alba
Einer der größten und vielleicht der schönste Reiher, den wir in Yuctana gesehen haben - und der einzige, den ich auch schon in Deutschland gesehen habe. Begegnet sind wir ihnen in der Mangrove Celestun, wo eine ganze Kolonie in den Bäumen saß - leider weitgehend durch das Laub verdeckt. Den auf dem Foto haben wir ein bisschen später am Ufer stehen gesehen. Einzelne Tiere haben wir auch später auf der Fahrt von Campeche nach Palenque im Inland gesehen. Groß, weiß und mit gelbem Schnabel, ist der Silberreiher sicher bestimmbar.

Kanadareiher (Ardea herodias)
Art #13: Kanadareiher (Great Blue Heron) - Ardea herodias
Nicht ganz so sicher, aber immer noch ziemlich sicher bin ich bei diesem Reiher, den wir an der Flußmündung im Sian Ka'an-Nationalpark beobachten konnten. Auf Grund der auffälligen Größe und der Färbung des Körpers kommt keine andere Reiherart wirklich in Frage. Die meisten Kanadareiher haben zwar einen auffälligen schwarzen Überaugenstreifen, es gibt aber auch eine weiße Morphe und eine normal gefärbte Morphe mit hellem Kopf ("Würdemann's Reiher"), um die es sich hier wahrscheinlich handelt.
Art #14: Kuhreiher (Cattle Egret) - Bubulus ibis
Haben wir leider nur vom fahrenden Bus aus gesehen und keine guten Fotos hinbekommen. Als etwas stämmigerer, weißer Reiher mit gelbem Schnabel aber relativ unverkennbar.
Grünreiher (Butroides virescens)
Art #15: Grünreiher (Green Heron) - Butroides virescens
Dieser freche, kleine Reiher hatte Gefallen am großen Teich unserer Hotelanlage gefunden - wahrscheinlich vor allem an den Fischen darin. Erst waren wir nur einem begegnet, später nochmal einem und am vorletzten Tag war eine kleine Gruppe aus drei Tieren im Krokodilgehege unterwegs. Sicher identifiziert ist er auch, auf dem linken Bild kann sogar ich grün erkennen ;)
Art #16: Schmuckreiher (Snowy Egret) - Egretta thula
Häufig auf der Fahrt von Campeche nach Palenque im Inland gesehen. Ähneln einem kleinen Silberreiher mit schwarzem Schnabel, daher sicher bestimmt, aber aus dem fahrenden Bus leider nicht brauchbar fotografiert.
Nacktkehlreiher (Tigrisoma mexicanum)
Art #17: Nacktkehlreiher (Bare-throated Tiger-Heron) - Tigrisoma mexicanum
In "Common Birds of the Yucatan Peninsula" steht "This bird is very difficult to observe" - selten, nachtaktiv und auch noch gut getarnt. Und dann steht er einfach am Rand der Lichtung an einem Süßwassertümpel in der Mangrove Celestun, schnappt völlig ungestört nach kleinen Fischen und lässt uns schöne Fotos machen - da möchte man sich nicht beschweren (Okay, Celestun war auch die erste Gelegenheit, bei der meine Kamera ausgefallen ist, aber dafür kann ja der arme Reiher nichts). Die relativ breite Streifung weist ihn als Jungtier aus, vielleicht hatte er den Vogelführer also einfach noch nicht gelesen und hat uns deshalb die schöne Sichtung erlaubt.
Waldstörche (Mycteria americana)
Familie: Störche (Ciconiidae)
Art #18: Waldstorch (Wood Stork) - Mycteria americana
Diese prächtigen Tiere sind zwischen Campeche und Palenque nach dem Regen über uns hinweggezogen. Für einen guten Blick durch das Fernglas und einen schnellen, unschafen Schnappschuss hat es gereicht. (Sicher identifiziert)
Familie: Ibisse (Threskiornithidae)
Art #19: Schneesichler (White Ibis) - Eudomicus albus
Diese wunderschönen Tiere haben wir in Celestun fliegen gesehen und in Sian Ka'an ist uns einer begegnet, der perfekt zum fotografieren auf der Brücke stand, über die wir gefahren sind. Nur angehalten haben wir dann leider - im Gegensatz zur Ankündigung - leider nicht. Deshalb sicher gesehen und identifiziert aber leider, leider kein Foto...
Ordnung: Tauben (Columbiformes)
Familie: Tauben (Columbidae)
Haustauben (Columba livia)
Art #20: Felsentaube (Rock Pigeon) - Columba livia (Straßentaube)
Ja, die gefiederten Ratten gibt es auch in Yucatan, zumindest in Merida am zentralen Platz haben wir einige gesehen. Vom Menschen hergebracht, fühlen sie sich eben überall auf der Welt wohl. Die beiden weißen auf dem Foto gehörten wohl zum Hotel. Als eingeführte, aber wild vorkommende Art gibt das einen Punkt und die Bestimmung ist auch absolut sicher.
Sperlingstäubchen (links mit Weißflügeltaube)
Art #21: Sperlingstäubchen (Common Ground Dove) - Columbina passerina
Dieses kleine, hübsche Täubchen mit gemusterten braunen Flügelchen ist - wie sowohl der deutsche als auch der lateinische Name andeuten - kaum größer als ein Spatz. Begegnet sind sie uns zwischen Campeche und Palenque und später noch einmal in Punta Allen in Sian Ka'an. Beim zweiten Mal konnte man neben anderen Tauben besonders schön erkennen, wie klein diese Winzlinge sind (Sicher bestimmt).
Türkentaube (Streptopelia decaocto)

Art #22: Türkentaube (Eurasian Collared Dove) - Streptopelia decaocto
Eine weiter vom Menschen in die Neue Welt gebrachte Taubenart und eine der sich am schnellsten ausbreitenden invasiven Vogelarten überhaupt: die auch bei uns erst im 20ten Jahrhundert eingewanderte Türkentaube. Uns sind sie in Celestun und Tulum begegnet. Hübsch sind sie ja und auch eindeutig bestimmbar, aber im Endeffakt sind mir dann doch die einheimischen Tauben lieber...



Weißflügeltaube (Zenaida asiatica)
Art #23: Weißflügeltaube (White-winged Dove) - Zenaida asiatica
Zum Beispiel diese hübsche und unverkennbare Taube mit den weißen Flügelrändern und dem schwarzen tränenähnlichen Fleck unter den blau unringten Augen. Die Weißflügeltaube dürfte die Taube gewesen sein, die wir am häufigsten gesehen haben, eigentlich entlang aller Straßen in allen Ortschaften..



 
Riefenschnabelani (Crotophaga sulcirostris)
Ordnung: Kuckucke (Cuculiformes)
Familie: Kuckucke (Cuculidae)
Art #24: Riefenschnabelani (Groove-billed Ani) - Crotophaga sulcirostris
Kommen wir zu einem für Europäer deutlich exotischeren Vogel, der uns in Uxmal begegnet ist. Dieser gesellige, insektenfressende Kuckuck brütet, wie die meisten Kuckucke selbst. Uns ist nur einer begegnet und ist dann auch schnell weiter geflogen, aber zum fotografieren hat es gereicht. Mit dem großen Schnabel und dem langen Schwanz und da hier kein anderer Ani vorkommt ist er unverwechselbar.
Ordnung: Falkenartige (Falconiformes)
Familie: Falken (Falconidae)
Art #25: Karibikkarakara (Crested Caracara) - Caracara cheriway
Ein wunderschöner Vogel, den wir einmal auf einem Telegrafenmast (auf der Fahrt von Campeche nach Palenque) und einmal neben dem Bus fliegend (auf der Fahrt von Becan nach Chetumal) gesehen haben. Unverwechselbar, aber leider hatten wir kein Glück, ihn zu fotografieren.
Art #26: Buntfalke (American Kestrel) - Falco sparverius
Auch diesen Falke haben wir auf der Fahrt von Campeche nach Palenque gesehen, einmal sitzend und einmal rüttelnd. Auch hier ist die Identifizierung sehr sicher, aber leider fehlt auch hier ein Foto.
Ordnung: Hühnervögel (Galliformes)
Familie: Hokkohühner (Cracidae)
Art #27: Braunflügelguan (Plain Chachalaca) - Ortalis vetula
Braunflügelguan (Ortalis vetula)
Dieses hübsche und exotische Pärchen ist uns im Hotelpark an der Riviera Maya begegnet, wo sie abends durch das Unterholz huschten und von Denise' guten Augen erblickt wurden, während ich erfolglos einem Waschbär hinterhergelaufen bin.
Natürlich haben wir an Hühnervögeln auch Haushühner (Gallus gallus) und Truthühner (Meleagris gallopavo) gesehen (beide Familie: Fasanenartige (Fasanidae)), aber die zählen als domestizierte Tiere nicht (Sind dafür aber immerhin absolut sicher bestimmt ;) ).
Ordnung: Kranichartige (Gruiformes)
Familie: Rallen (Rallidae)
Art #28: Amerikanisches Bläßhuhn (American Coot) - Fulica americana
Diese mittelgroßen Rallen sind in der Mangrove Celestun vor unserem Boot geflüchtet und geben so auch ein schönes Abschlussbild für heute ab. (Sicher bestimmt)

Das nächste Mal wird es bunt und laut, wenn wir zu den Sperlingsvögeln (Passeriformes) kommen.

Dienstag, 15. April 2014

Avifauna Yucatanensis I

Los geht's mit der Vogelwelt Yucatans, die wir beobachten konnten - sortiert nach Ordnungen und die alphabetisch (nach lateinischen Namen natürlich!). Heute: Greifvögel (Accipitriformes) bis Regenpfeiferartige (Charadriiformes).

Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
Familie:  Habichtartige (Accipitridae)
Art #1: Zweibindenbussard (Grey Hawk) - Buteo plagiatus 
Vorbeifliegend im Inland von Campeche, leider kein Foto, relativ sicher identifiziert.
Art #2: Wegebussard (Roadside Hawk) - Buteo magnirostris
Immer wieder im Inland und an der Küste über uns fliegend, sicher identifiziert, aber leider auch kein Foto.
Familie: Neuweltgeier (Cathartidae)
Art #3: Rabengeier (Black vulture) - Coragyps atratus
Rabengeier (Coragyps atratus)
Überall im Inland anzutreffen, meist kreisend, manchmal auch ausruhend, aber schwer zu fotografieren, da am Boden relativ scheu (Naja, wer schwer hochkommt, muss halt früh starten...) Gut möglich, dass manche der kreisenden Geier auch Truthahngeier (Cathartes aura) waren, aber alle, die nah genug waren, um das zu erkennen, hatten der grauschwarzen Kopf des Rabengeiers, also leider nur ein, dafür absolut sicher identifizierter, Geiereintrag in der Liste.
Familie: Fischadler (Pandionidae)
Art #4: Fischadler (Osprey) - Pandion haliaetus
Zweimal gesehen in der Mangrove Celestun, einmal auf den Bäumen sitzend, einmal über uns fliegend. Leider war das Boot beidemale zu schnell unterwegs, um ein Foto zu machen. Als unverwechselbarer Vogel sehr sicher identifiziert.
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Hotelgänse (Anser anser)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Mehrmals sind abends über unser Hotel an der Riviera Maya mittelgroße, schlanke Entenvögel mit langem Hals hinweggeflogen. Möglicherweise waren es - unter Anbetracht der Größe, Körperform und der Verbreitung ähnlicher Arten, Herbstpfeifgänse (Dendrocygna autumnalis), aber diese Identifizierung ist so unsicher, dass sie nicht in die Zählung eingeht. Und da die Biester zu schnell unterwegs waren, dass ich ein Bild hinbekommen hätte, erscheinen "langsam und erratisch" fliegende Pfeifgänse auch etwas unwahrscheinlich. Außerdem gab es am Teich vom Hotel Gänse (Anser anser), aber die zählen als Haustiere nicht, also zwar ein Bild, aber leider keine weiteren Punkte für identifizierte Vogelarten... Anmerkung: Die fliegenden Vögel waren, nach Vergleich in Heidelberg relativ eindeutig, keine Enten, sondern Kormorane. peinlich, peinlich...
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Segler (Apodidae)
Art #5: Graubauchsegler (Vaux's Swift) - Chaetura vauxi
Klein, niedlich, blitzschnell unterwegs oder bei Regen auf Telegrafenleitungen und dadurch schwer zu fotografieren - daher relativ sicher identifiziert, aber leider schon wieder ohne Bild...
Nachtigallkolibri (Campylopterus pampa)  in Palenque
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Art #6: Nachtigallkolibri (Wedge-tailed Sabrewing) - Campylopterus pampa
Dieser für einen Kolibri relativ große Geselle ist uns in Palenque begegnet und konnte uns immerhin ein paar Augenblicke von der vielleicht beeindruckendsten Mayastadt unserer Rundreise ablenken. Ihn dann einigermaßen sicher zu bestimmen hat dann aber zu Hause noch einiges an Zeit gekostet...
Art #7: Grünbrust-Mangokolibri (Green-breasted Mango) - Anthracothorax prevostii
Klein niedlich und lange genug relativ still im Blickfeld um sich relativ sicher identifizieren zu lassen, aber einen Moment zu kurz für ein Bild, ist uns dieser Kolibri bei unserer Tour ins Naturschutzgebiet Sian Ka'an in Punto Allen begegenet.

Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Amerkianischer Regenpfeifer (Charadrius semipalmatus)
Familie: Regenpfeifer (Charadriidae)
Art #8: Amerikanischer Regenpfeifer (Semipalmated Plover) - Charadrius semipalmatus
Dieser kleine, geschäftige, aber etwas scheue Geselle war abends und morgens am Strand nördlich von unserem Hotel unterwegs und hat - in einem unglaublichen Tempo mit den beinen dahintippelnd - den Spülsaum nach Fressbarem abgesucht (sicher identifiziert)


Aztekenmöwe (Larus atricilla)
Familie: Möwen (Laridae)
Art #9: Aztekenmöwe (Laughing Gull) - Larus atricilla
Aztekenmöwen sind uns zum ersten Mal in der Mangrove Celestunbegegnet und dann an jedem Strand. Die mit dem hübschen schwarzen Kopf sind dreijährig oder älter, die anderen jünger. Respekt haben sie vor Pelikanen und gar nicht begeistert sind sie von Fregattvögeln, warum das erzähle ich später, wenn wir zu denen kommen.
(Sicher identifiziert)
Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
Steinwälzer (Arenaria interpres)
Art #10: Steinwälzer (Ruddy Turnstone) - Arenaria interpres
Deutlich geselliger und auch weniger menschenscheu als der Regenpfeifer, aber von ähnlicher Größe und genauso fleissig den Strand absuchend, sind uns diese Gesellen in Playa del Carmen und am Hotel am Strand begegnet. Die prächtiger gefärbten Tiere sind hier die Männchen im Prachtkleid. (Sicher identifiziert)

Schlammtreter (Tringa semipalmata)
Art #11: Schlammtreter (Willet) - Tringa semipalmata
Dieser hübsche, stelbeinige Vogel ist uns morgens an der Küstenpromenade in Campeche begegnet, wo er würdevolleinherschreitend durch das flache Wasser zog, am Ende auf die Steine stieg. In "Common Birds of the Yucatan Penisula" war er zwar nicht drin, aber zu Hause gelang die Identifizierung dann recht schnell.

So, das ist es für heute. Beim nächsten Mal werden die Beine noch um einiges länger und die "Fotoquote" wird auch besser, wenn wir Schreitvögel (Ciconiiformes) bis Kranichvögel (Gruiformes) besuchen. 

Montag, 14. April 2014

Hola Yucatan! (1)

Zurück aus Yucatan kann ich zusammenfassend nur sagen: Es war grandios! Und jetzt gehen wir etwas in die Details:
* 8 Mayastädte
* 4 Biosphärenreservate oder Nationalparks
* 5 UNESCO-Welterbestätten (okay, da gibt es mit den vorher genannten Überschneidungen ;) )
* 52 identifizierte Vogel-, 7 Säugetier- und mindestens 6 Reptilienarten (da bin ich noch am Auswerten)
Und um Euch alle richtig neidisch zu machen ein bisschen teilhaben zu lassen, werde ich hier in der nächsten Zeit eine Auswahl der schönsten Bilder posten.
Insgesamt kann ich sagen, dass uns Mexico als Reiseland sehr gut gefallen hat - es gib unglaublich viel zu sehen, das Wetter war heiss aber toll, die Leute super-nett und das Essen prima. Ein paar kleine Tipps für Leute, die dort auch hin möchten:
* Am besten schon in Deutschland Pesos holen und prüfen, ob man mit der Bank- oder Kreditkarte in Mexico abheben kann - man kann zwar in vielen Touristenorten auch in Dollar zahlen, aber nicht immer und da die Mexikaner die Dollar unter Abgabe umtauschen müssen, nehmen klenere Läden sie ungern und/oder gegen Aufpreis. Wechseln kann man an Wechselstuben recht problemlos (wenn man eine findet) und Geld abheben funktioniert gelegentlich und dann auch wieder nicht, je nach Automat, Tageszeit, Mondzyklus, ...
* Sich klarmachen, dass das $-Zeichen urpsrünglich und bis heute für Peso steht. Nur am Flughafen Cancur kann 10 $ für ein Getränk tatsächlich US-Dollar bedeuten...
* "Hola", "Gracias", "Buenos Dias" und "Perdone" lernen - alles andere geht notfalls mit Händen und Füssen, aber die Grundlagen der allgegenwärtigen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sollte man schon erwidern
* Guten Sonnenschutz, etwas gegen Durchfall, eventuell Mückenschutz, etwas Geduld mitbringen und sich rechtzeitig darum kümmern alle Standardimpfungen aufzufrischen - versteht sich von selbst, oder?
Okay, dann kann es losgehen. Mal schauen, womit ich anfange...

Samstag, 12. April 2014

Ein kleines bisschen Gleichberechtigung

Echte Gleichberechtigung zu erreichen ist und bleibt eines der wichtigen gesellschaftlichen Themen unserer Zeit - ob zwischen Männern und Frauen, Homo- und Heterosexuellen, verschiedenen Gläubigen und nicht-Gläubigen, verschiedenen Gesellschaftsschichten und so weiter und so fort. Ohne Frage gibt es heute noch viele, zum Teil auch große, Probleme und bei einigen ist das größte Problem, dass sie uns nicht einmal bewusst werden, wenn wir nicht betroffen sind. Und bei allem Wandel geht es oft zu langsam und zu wenig weit. Aber auf der anderen Seite wandelt sich auch vieles erstaunlich schnell, ohne dass wir es wirklich wahrnehmen. Ein Beispiel ist mir heute im Heidelberger Zoo aufgefallen, als ich an der Toilette warten musste.
Nein nicht auf meine Freundin, sondern weil es an der Herrentoilette eine Schlange gab. Und nein, nicht weil da so viele Männer anstanden oder diese so lange gebraucht hätten, sondern weil da insgesamt vier Väter mit zusammen sieben Kindern waren. Als ich klein war, war es völlig selbstverständlich, dass kleine Kinder mit ihren Müttern auf die Toilette gingen und es war fast so etwas wie ein Ritual der Mannwerdung, wenn man - groß genug um stehend ans Pissoir zu reichen, mit auf die Herrentoilette gehen konnte. Wickeltische für die ganz kleinen gab es sowieso nur - wenn überhaupt - bei den Damen. Mit den Behindertentoiletten und dem größeren Raum, den diese boten, kam der allgemein zugängliche Wickeltisch, dann tauchten immer mehr niedrig installierte Pissoirs für Jungs auf Herrentoiletten auf und irgendwann, ich glaube in den späten Neunzigern, kam bei IKEA tatsächlich ein ausklappbarer Wickeltisch in die Herrentoilette - damals noch eine Kuriosität. Inzwischen sind wickelnde Väter genauso alltäglich wie solche, die ihren Kindern auf der Toilette helfen - ob sie kleinen Jungs zeigen, wie alles funktioniert oder kleine Mädchen über die Schüssel halten. Vor nicht allzu langer Zeit waren Kinder auf der Herrentoilette noch irgendwie seltsam, heute fallen sie nur noch auf, wenn die Schlange länger als bei den Damen ist. Ich denke, dass solche Veränderungen, vielleicht mehr als alle Kampagnen oder Quotenregeln, zeigen, wie sich festgelegte Geschlechterrollen wandeln - gerade an einem Ort wo wir Männlein und Weiblein sonst so säuberlich trennen. Und für die folgenden Generationen wird es vielleicht selbstverständlich sein, dass wir uns auch hier gar nicht so sehr unterscheiden. Deshalb an dieser Stelle mal ein wohlverdientes Lob für alle Väter, die ihren Kindern beim Pinkeln helfen.
Und wenn sich die Schlange besser verteilt, dann müssen wir Männer am Ende auch kürzer auf unsere Begleitung warten. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind: 10-15 kg Kind präzise über einer Porzellanschüssel balancieren ist doch sowieso eher eine Aufgabe für echte Kerle, oder? ;)

Donnerstag, 20. März 2014

Bad Science: Heiliges Hühnchen!

Ich hatte schon länger vor, eine kleine Serie über schlechte Wissenschaft bzw. schlechten Wissenschaftsjournalismus zu schreiben und heute hat mich ein Kollege auf eine Veröffentlichung aufmerksam gemacht, die geradezu danach schreit, als Beipiel zu dienen:

Khenenou Tarek, Melizi Mohamed, Bennoune Omar, Benzaoui Hassina, Ibrir Messaouda: Histological Changes in Liver and Pectoral Muscles of Broiler ChickensSlaughtered with and Without Naming of Allah (International Journal of Poultry Science 12 (9): 550-552, 2013) (Volltext als pdf)

Worum geht's? Die Autoren haben Hühnchen geschlachtet, dabei den Namen Allahs angerufen oder nicht und danach Muskelfleisch und Leber angeschaut. Die Hühnchen, die mit Allahs Namen getötet wurden, hatten keine, die anderen deutliche Gewebeschäden, die auch zu einem schnelleren Verderben des Fleisches führen könnten.

Warum schauen wir uns das an? Ein schönes Beispiel dafür, wie viele "esoterische" Veröffentlichungen aussehen. Es wird etwas behauptet, das einer Glaubensvorstellung folgt, ein Experiment gemacht und die Vorstellung dadurch bestätigt, was der Glaubensvorstellung Wissenschaftlichkeit belegen soll. Während das Beispiel im Westen wenig Widerhall finden dürfte, funktionieren viele alternativmedizinische, grenzwissenschaftliche oder ernährungsideologische Veröffentlichungen ganz ähnlich. Wer also belegen will, dass Elektrosmog oder Gentechnik schädlich sind oder dass Kristalle oder Erdstrahlen heilen, kann hier lernen, wie das sicher geht, ohne das Risiko viel wissenschaftliche Arbeit hineinzustecken und dann doch nicht das gewünschte Ergebnis zu bekommen!

Warum ist das keine gute Wissenschaft? Okay, auf den ersten Blick sieht das doch wie eine ganz normale wissenschaftliche Veröffentlichung aus: Eine Einleitung, die das wichtigste Vorwissen zusammenfasst, eine Beschreibung, was gemacht wurde und eine Darstellung der Ergebnisse und deren Diskussion. Also was gibt es da zu meckern. Erstmal, um den Verdacht auszuräumen: Dass es hier um Religion und Wissenschaft geht, ist in Ordnung - zu testen, ob religiöse Vorstellungen einen nachweisbaren Nutzen haben, ist lobenswert und grundsätzlich zu begrüßen. Allerdings muss man das dann auch ordentlich tun, denn sonst bestätigt man nur, was man sowieso schon glaubt. Also, schauen wir mal genauer hin:

Einleitung: Die Einleitung beschreibt kurz, dass Hühnchen eine gute Proteinquelle sind, was die Leber ist und dass nach Shariah-Gesetz nur Fleisch halal (erlaubt) ist, bei dessen Schlachtung Allah angerufen wurde ("Bismillah-Allahu Akber"). Werden andere Namen angerufen, ist das Fleisch haram (verboten) - Soweit in Ordnung. Dann wird das Ziel der Studie genannt: "The aim of our study was to investigate the histological difference between chickens livers and pectoral muscles slaughtered by the name (Bismillah-Allahu Akber) and without the name of Allah. (Das Ziel unserer Studie war es, die Gewebeunterschiede zwischen Leber und Brustmuskeln von Hühnern zu untersuchen, die mit dem Namen Allahs oder ohne den Namen Allahs geschlachtet wurden.)" - Gut, das mag ein wenig ungünstig formuliert sein, denn eigentlich sollte man erst unteruchen, ob es überhaupt Unterschiede gibt oder man solle begründen, welche Unterschiede man erwartet. Ein völlig offener Ansatz ist natürlich grundsätzlich in Ordnung, allerdings muss man dann auch ganz besonders gründlich arbeiten, denn wenn man generell nach Unterschieden zwischen A und B sucht, wird man eigentlich immer irgendwelche finden - hier wäre dann sehr saubere statistische Arbeit zu fordern, um nachzuweisen, dass eventuelle Unterschiede nicht rein zufällig auftreten. Lustiges Experiment für zu Hause: Wer nicht glaubt, dass es in zufällig gewählten Gruppen Gemeinsamkeiten gibt, sollte sich einmal zwanzig Bilder von Bekannten, Kollegen etc. ausdrucken, die verdeckt mischen, in zwei Stapel aufteilen und dann schauen, wie viele Dinge er findet, die die Mehrheiten eines Stapel gemeinsam hat, aber nicht die Mehrheit des anderen (Als Starter: Alter, Ausbildung, Haar-, Augenfarbe, Geschlecht, Herkunft, Anfangsbuchstaben aus der ersten/zweiten Alphabethälfte, ...).

Material und Methoden: Hier wird beschrieben, was genau gemacht wird. Die Gewebeverarbeitung wird recht ausführlich und nachvollziehbar beschrieben, aber am Rest mangelt es gewaltig. Erstens: Zur Schlachtung der Hühnchen wird nur gesagt, dass diese entweder nach islamischem Ritus erfolgte (33 Stück) oder nach der gleichen Methode nur ohne Anrufung Allahs (auch 33 Stück). Ooooookay - aber was genau ist da passiert? Gibt es da eine Beschreibung? Wird Allah am Anfang, währenddessen oder am Ende angerufen (also bekommt das Hühnchen das z.B. mit)? Ist beides der gleiche Schlachter? Wenn ja, wurde irgend etwas unternommen, hier Unterschiede zu vermeiden (z.B. wäre abwechselnd +/- Allah schlachten sicher besser als erst 33 mal das eine und dann - eventuell erschöpft - 33 mal das andere)? Auch ist die Kontrolle (Allah nicht anrufen) fragwürdig. Besser wäre es gewesen, etwas anderes zu sagen (Kurz innehalten, um etwas zu sagen, könnte die Arbeitsweise beeinflussen!). Überhaupt ist hier ein großes Risiko für Verfälschung gegeben, denn dass ein gläubiger Schlachter genauso gründlich arbeitet, wenn er einen Schritt, der normalerweise zu seiner guten Arbeitspraxis gehört, weglässt - das ist alles andere als sicher! Tatsächlich gibt es gute Belege, das z.B. das Aufsagen eines Schulmottos oder der Zehn Gebote die Zahl von Betrugsversuchen in Klausuren merklich vermindert - an die Ehre zu apellieren beeinflusst also zuweilen die Arbeitsweise! Zweitens: Zur Analyse wird nur beschrieben, dass mikroskopiert wurde. Hier wäre wichtig zu wissen, wie viele Proben eigentlich angeschaut wurden und auch hier wäre eine Kontrolle vor Verfälschung wichtig, gerade wenn völlig ungezielt gesucht wird (Stichwort: Verblindung - idealerweise weiss der Analysierende nicht vorher, was er anschaut). Insgesamt ist der Versuchsansatz so unzureichend beschrieben, dass niemand die Arbeit sicher wiederholen könnte - und so kann auch niemand sie sicher überprüfen!

Ergebnisse: Und hier wird es wirklich schlimm! Die Ergebnisdarstellung besteht ausschließlich aus der Zusammenfassung, dass in ohne Allahs Namen geschlachteten Hühnchen Blutstauungen und lokale Ödeme auftreten, belegt mit je einem Bild von Muskelfleisch und Leber für Hühnchen mit oder ohne Allah. Wer das Spielchen von oben einmal gemacht hat, weiß, dass das gar nichts ist. Hier fehlt zumindest die Angabe, wie oft diese Merkmale jeweils gefunden wurden und eine statistische Analyse, die untersucht, ob das auch wirklich ein merklicher Unterschied ist! Und die Bilder sind völlig ungeeignet, die Aussage zu belegen - kleine Ausschnitte auf jeweils ein auffälliges Detail, wobei Allah-Ansatz und Kontrolle auf den ersten Blick auch außerhalb der markierten Strukturen so unterschiedlich aussehen, dass man auf den ersten Blick annehmen muss, dass hier kaum sinnvoll verglichen werden kann. Nur mit wenigen Bildern irgend etwas belegen wollen, ist ein ganz typisches Merkmal schlechter Veröffentlichungen!

Diskussion: Am Ende wird noch kurz erwähnt, dass die Ergebnisse zu Studien an Rindfleisch passen (Studien, für die nur ein Internetlink angegeben wird!), dass die Gewebeschäden zu einem schnelleren Verderben des ohne-Allah Fleischs führen würden (ohne jeden Beleg) und dann wird ein bisschen Koran dazu ausgelegt. Was völlig fehlt, ist eine kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen, insbesondere ein Versuch, die Ergebnisse zu erklären. Warum wäre das wichtig? Ganz einfach - wissenschaftliche Arbeiten aktualisieren immer nur unseren Wissensstand. Erklärungsveruche können gestestet und verfeinert oder widerlegt werden und so unser Wissen über ein Thema immer weiter entwickelt werden. Wer nicht versucht, seine Befunde zu erklären, kann zwar auch nicht widerlegt werden, aber er trägt eben auch nicht zu diesem Fortschritt bei.

Fazit: Ein klassisches Beispiel für eine pseudowissenschaftliche Belegung dessen, was die Autoren von vornherein angenommen haben mit den klassischen Merkmalen:
  • Nicht nachvollziehbare Durchführung - nicht wirklich nachprüfbar und damit nicht widerlegbar ("Wenn nicht das gleiche rauskommt, habt Ihr es falsch gemacht!"
  • Offene Fragestellung ohne strikte Kontrollen ("Irgendwas kommt immer raus!")
  • Viel zu knappe Ergebnisdarstellung ("Wir zeigen schon ehrlich die richtigen Daten. Wirklich. Glaubt uns einfach."
  • Fehlender Versuch theoretischer Deutung ("Nööö, wir sagen nichts, was jemand später widerlegt. Das wäre doch doof.")
Das soll nicht heißen, dass hier bewusst betrogen wurde oder dass die Anrufung Allah jetzt nachweislich nichts bringt - nur, dass diese Veröffentlichung uns leider in unserem Wissen nicht weiterbringt.Außer vielleicht im Wissen darum, wie man schlechte Forschung erkennt und es vielleicht besser macht - und das ist ja auch was wert!

Und jetzt die Leser: Kennt Ihr eine seltsame Veröffentlichung, die ihr gerne analysiert hättet? Oder eine Meldung aus der Presse, die Euch komisch vorkommt? Immer her damit und vielleicht komme ich dazu, hier auch was dazu zu schreiben.