Montag, 4. Januar 2016

Avifauna Europaea: England und der Rest von 2015

Dann machen wir uns mal an die Vögel, die wir in England (und insgesamt seit dem letzten Update) so neu gesehen haben. Und da haben wir einiges vor uns!


Ordnung: Anseriformes (Gänsevögel), Familie: Anatidae (Entenvögel)

Tundrasaatgans (Anser fabalis rossicus)

Tundrasaatgänse (Anser fabalis)
Saatgänse kommen bei uns in großen Trupps als Wintergäste vor, ihre Brutgebiete liegen in Nordeuropa und -asien. Im Vergleich zur Graugans sind sie etwas kleiner und haben einen dunklen Kopf sowie einen orangen Schnabel mit schwarzer Spitze. Von der Kurzschnabelgans unterscheiden sie sich durch den längeren Schnabel und die orangen Füße.
Der Trupp im Bild stammt von den Mechtersheimer Tongruben südlich von Speyer.

Ordnung: Charadriiformes (Regenpfeiferartige) 

Schwarzkopfmöwe

Familie: Laridae (Möwen), Schwarzkopfmöwe (Ichthyaetus melanocephalus)

Die vor allem am Mittelmeer vorkommende Schwarzkopfmöwe ähnelt der Lachmöwe, ist aber etwas größer, hat eine dunklere Kapuze im Prachtkleid und keine schwarzen Flügelspitzen. Bei uns tritt sie nur vereinzelt im Inland auf. Diesen Sommer waren mehrere Tiere in Waghäusel, eine ist aber auch nahe der Sandhäuser Sandgrube über mich weggeflogen.

Familie: Scolopacidae (Schnepfenvögel) 

Flußuferläufer (Actitis hypoleucos)
Flußuferläufer (Actitis hypoleucos)
Der Flußuferläufer ist ein relativ kleiner, recht kurzbeiniger Schnepfenvogel, der meist an Flußufern, aber auch an anderen Gewässern vorkommt. Mir ist er am Neckar aber auch an der Küste auf den Isles of Scilly begegnet. Am leichtesten zu erkennen ist er an dem weiß des Bauchs, das sich vor den Flügeln als Keil nach oben erstreckt. Mit seinen kurzen Beinen watet er meist nicht direkt im Wasser, sondern läuft bei der Nahrungssuche am Ufer auf und ab.

Bekassine (Gallinago gallinago)
Bekassine (Gallinago gallinago)
Die Bekassine hatte ich Euch schon einmal vorgestellt, aber da hatte ich leider noch kein Bild, das kann ich jetzt aber nachliefern. Bekassinen sind meist recht scheu, aber an ihrem gestreiften Rücken und dem enorm langen Schnabel gut erkennbar, wenn sie denn einmal ins Sichtfeld gerät. Das Tier im Bild war eines einer größeren, in Waghäusel rastenden Gruppe. Während die Bekassine weltweit nicht bedroht ist, ist die Bekassine in Mitteleuropa sehr selten geworden, da ihre Lebensräume seltener werden. Früher wurden sie auch intensiv bejagt, tatsächlich stammt das Englische Wort für einen aus der Deckung schießenden Schafschützen ("sniper") vom englischen Namen für Schnepfe ("snipe").

Kampfläufer (Philomachus pugnax)
Kampfläufer (Philomachus pugnax)

Der Kampfläufer ist im Prachtkleid vielleicht der auffälligste Schnepfenvogel mit einer beeindruckenden bunten "Mähne" bei den Männchen, die diese bei der Balz in komplizierten Schautänzen vorführen. Die Weibchen sind deutlich kleiner und unauffälliger. Im Schlichtkleid sieht der Herr dann allerdings ohne Mähne und mit seinem relativ kleinen Kopf ein ganzes Stück weniger beeindruckend und eher etwas einfältig aus. Sie brüten in der Taiga und in küstennahen Feuchtgebieten und kommen in Mitteleuropa auf dem Zug vor, wie das Individuum, das ich in Waghäusel fotografieren konnte.

Dunkler Wasserläufer (Tringa erythropus)

Dunkler Wasserläufer (Schlichtkleid)
Dunkler Wasserläufer (Prachtkleid)
Der dunkle Wasserläufer ist ein Bewohner des hohen Nordens, der bei uns während des Zugs in die afrikanischen Winterquartiere beobachtet werden kann. Nur im Prachtkleid ist er auffällig dunkel, im Schlichtkleid sieht er dem etwas kleineren Rotschenkel sehr ähnlich.
Die Bilder stammen einmal mehr aus der Wagbachniederung bei Waghäusel, der im Prachtkleid aus dem April, der im Schlichtkleid aus dem September.

Familie: Sternidae (Seeschwalben), Weißflügelseeschwalbe (Chlidonias leucopterus)

Die beiden hübschen Weißflügelseeschwalbe mit ihrem dunklen Körper und weißen Flügeln flogen über der Wagbachniederung leider zu schnell und hektisch für ein brauchbares Bild.

Ordnung: Galliformes (Hühnervögel), Familie: Phasianidae (Fasanenartige)

Rothuhn (Alectoris rufa)

Rothuhn (Alectoris rufa)
Das eigentlich in Südeuropa vorkommende Rothuhn wurde 1770 in Großbritannien als Jagdwild eingeführt und kommt auch auf der Insel Tresco vor, wo wir die Tiere im Bild beobachten konnten. Die etwa rebhuhngroßen Tiere leben in halboffenen Landschaften wo sie in kleinen Gruppen am Boden nach Nahrung suchen, die bei den Alttieren überwiegend aus Samen besteht, während Jungtiere ihren Speisezettel über Insekten und Würmern mit Protein anreichern.
Eine kuturelle Bedeutung jenseits der Jagd hat das Rothuhn als kurdischer Nationalvogel.


Goldfasan
Goldfasan (Chrysolophus pictus)

Ein weiterer in England eingeführter Vogel, der auch auf Tresco und dort vor allem in der Umgebung des Tresco Abbey Gardens halbwild vorkommt ist der unüberseh- und unverwechselbare Goldfasan. Ursprünglich kommt die Art in China vor, wo sie unter anderem als Symbol für die Kaiserin stand. Die Population auf Tresco wurde dort erst 1975 eingeführt, hat dort aber schon erfolgreich gebrütet. Die Weibchen, die wir leider nicht gesehen haben, sind viel schlichter braun-schwarz gemustert. Beide Geschlechter verhalten sich recht heimlich und schlüpfen so durch das Unterholz, dass die Tiere trotz ihrer Auffälligkeit nicht unbedingt leicht zu beobachten sind.

Ordnung: Passeriformes (Sperlingsvögel)

Familie: Aegithalididae (Schwanzmeisen), Schwanzmeise (Aegithalos caudatus)

Schwanzmeise (ssp. caudatus)

Schwanzmeise (ssp. europaeus)


Die Schwanzmeise habe ich Euch auch schon einmal vorgestellt, aber mir diesen Winter auch ein Tier der nordosteuropäischen Unterart caudatus mit ihrem reinweißen Kopf vor die Kamera geflogen ist und die Schwanzmeise so oder so niedlich genug ist, um sie sich immer wieder anzuschauen, bekommt ihr sie hier noch einmal zu sehen. Tatsächlich sind kleine Trupps Schwanzmeisen in Gelände mit großen Sträuchern oder kleinen Bäumen im Winter recht häufig zu beobachten, wenn man die Augen offen hält.

Familie: Cinclidae (Wasseramseln), Wasseramsel (Cinclus cinclus)

Unser einziger einheimischer tauchender Singvogel ist uns an der Ilse im Harz begegnet, leider aber zu schnell aufgeflogen, um ein Foto zu machen. Sie ähnelt einer stämmigen, dunkelbraunen Amsel mit weißer Brust und fängt seine Beute an schnellfließenden, klaren Bächen.

Familie: Fringillidae (Finken)

Erlzeisig (Carduelis spinus)

Noch ein Vogel, den wir im Harz regelmäßig gehört und ein paar Mal gesehen haben, der aber nicht lange genug für ein Foto stillgehalten hat. Aber vielleicht habe ich diesen Winter ja noch Glück, denn ein paar sollen in Trupps aus Birkenzeisigen zur Zeit hier unterwegs sein...
Bergfink (Fringilla montifringilla)
Bergfink (Fringilla montifringilla)

Der Bergfink sieht auf den ersten Blick dem Buchfink recht ähnlich, ist aber mit seinem schwarzen Kopf und Rücken und oranger Brust kontrastreicher. Das Weibchen ist recht schlicht gefärbt und ähnelt ein bischen einem Spatzenweibchen.  Bei uns kommt der Bergfink vor allem als Wintergast vor und das dann teilweise in riesigen Schwärmen mit mehreren Millionen Tieren. Das Tier im Bild war allerdings ganz alleine im Neuenheimer Feld unterwegs. Den Sommer verbringen Bergfinken weiter im Norden, wo sie zu den häufigsten Singvögeln gehören.
 
Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirostra)

Zwei Fichtenkreuzschäbel konnten wir, leider nur auf große Entfernung, von der Burg Neudahn in der Pfalz aus beobachten. Der auffällig gekreuzte Schnabel ist ein hervorragend geeignetes Werkzeug, um Samen aus Zapfen herauszubekommen, allerdings war das Paar auf die Entfernung leichter daran zu erkennen, dass das Männchen rotund das Weibchen grün ist, sozusagen die Fußgängerampel in Vogelform...

Familie: Motacillidae (Stelzen und Piper)

Strandpieper (Anthus petrosus)
Strandpieper (Anthus petrosus)

Der relativ dunkle Strandpieper kommt an den nördlichen und nordöstlichen Küsten Europas vor, die nördlicheren Populationen ziehen aber im Winter auch bis an die deutsche Nordseeküste. Die britische Population zieht nicht und wir konnten ihn auf St.Agnes (Isles of Scilly) beobachten, wo er auf den Felsen direkt am Meer nach Nahrung suchte. Von anderen, recht ähnlichen Pieperarten lässt er sich am sichersten durch die dunklen Beine unterscheiden. Strandpieper sind einzelgängerisch und während der Brut bewacht das Männchen eifersüchtig das Revier während das Weibchen auf den Eier sitzt.

Baumpieper (Anthus trivialis)
Baumpieper (Anthus trivialis)

Der Baumpieper gehört bei uns zu den häufigen, aber auch häufig übersehenen Vogelarten. Wie der Name schon andeutet, kommt er vor allem an Waldrändern und auf Lichtungen vor, wo er auch auf den Bäumen sitzend singt, das Nest wird allerdings wie bei anderen Piepern auch am Boden angelegt. Im Winter ziehen unsere Baumpieper nach Afrika.
Das Tier im Bild stammt vom Brocken im Harz, wo uns viele Baumpieper auf den Bäumen am Rand der kahlen Brockenkuppe begegnet sin.

Trauerbachstelze (Motacilla alba yarrellii)

Mitteleuropäische Bachstelze
Trauerbachstelze
Die Bachstelze hatten wir natürlich schon, aber heute präsentiere ich Euch die in Großbritannien vorkommende Unterart yarrellii, die sich durch den dunkleren, im Prachtkleid fast schwarzen Rücken auszeichnet. Trauerbachstelten kommen gelegentlich auch in Norddeutschland vor, so konnte ich ein Tier auch auf Spiekeroog beobachten, allerdings war mir dort kein Bild gelungen.

Familie: Muscicapidae (Fliegenschnäpper), Nachtigall (Luscinia megarhynchos)

Die optisch unscheinbare Nachtigall ist natürlich für ihren schönen, vor allem in der Dämmerung vorgetragenen Gesang bekannt. Und sie versteckt sich gerne zwischen Zweigen, so dass man dann kein gutes Bild bekommt...

Familie: Oriolidae (Pirole), Pirol (Oriolus oriolus)

Ein weiterer auffälliger Sänger, der diesmal mit seinem schwarz-gelben Gefieder auch optisch auffällig ist, der aber wiederum durch sein verstecktes Leben kein gutes Fotoobjekt abgab.
Tannenmeise (Periparus ater)

Familie: Paridae (Meisen), Tannenmeise (Periparus ater)

Die Tannenmeise ist bei uns in Nadelwäldern häufig, aber als Waldvogel schwerer zu beobachten als die allgegenwärtigen Kohl- und Blaumeisen. Sie ähnelt der Kohlmeise, ist aber kleiner, hat einen grauen Rücken und einen auffälligen weißen Nackenfleck. Begegnet sind mir Tannenmeisen auch im kleinen Odenwald bei Heidelberg, das Bild stammt aber aus der Pfalz im Dahner Felsensland. Das dicke Bündel aus Insektenlarven im Schnabel ist kurz danach sicher in den Rachen einer Reihe kleiner Tannenmeisen gelandet.
Beutelmeisennest

Familie: Remizidae (Beutelmeisen), Beutelmeise (Remiz pendulinus)

Ein hübscher kleiner Vogel, der dem Neuntöter überraschend ähnlich sieht, baut die Beutelmeise eines der spektakulärsten Nester bei uns. Das Exemplar, das ich am Neckar gefunden habe, war allerdings schon älter, etwas verfallen und von einem Wespenschwarm zu seiner Behausung umgebaut worden. Die Männchen bauen mehrere dieser nahe dem Wasser an Zweigen hängenden Kugeln, von denen sich das Weibchen dann das beste aussucht, um seine Eier hineinzulegen. Unsere Beutelmeisen überwintern im Mittelmeergebiet, so dass ich erst diesen Sommer wieder die Chancehabe, auch den Vogel dazu einmal ins Bild zu bekommen.

Dorngrasmücke (Sylvia communis)

Familie: Sylviidae (Grasmücken), Dorngrasmücke (Sylvia communis)

Die Dorngrasmücke ist eine recht häufige Grasmücke, die bei uns in offenen Landschaften vorkommt. Der deutsche Name beschreibt ihren bevorzugten Neststandort in dornigen Büschen, wo die Jungen entsprechend vor Feinden geschützt sind. Während ihr lateinischer Name communis noch auf ihre Häufigkeit hindeutet, haben sich die Bestände bis heute noch nicht vollständig von einem Einbruch erholt, der Ende der 60er Jahre durch die Dürre in der Sahelzone ausgelöst wurde, wodurch die Tiere im Winterquartier nicht genug Nahrung finden konnten. Dass sich die Bestände bis heute noch niedriger als vor dem Einbruch sind, liegt wahrscheinlich an der Fortschreitenden Ausbreitung der Sahara.


Ordnung: Podicipediformes, Familie: Podicipedidae (Lappentaucher)

Ohrentaucher (Podiceps auritus)
Ohrentaucher (Podiceps auritus)

Der Ohrentaucher ist vor allem im hohen Norden verbreitet und kommt als einziger Lappentaucher auch nördlich des Polarkreises vor. Im Prachtkleid hat er auffällige gelbliche Federbüschel hinter den Augen, denen er auch seinen Namen verdankt. Im Schlichtkleid ist er deutlich unauffälliger und ähnelt dann stark dem Schwarzhalstaucher, Unterscheidungsmerkmale sind aber die helle Schnabelspitze und die scharfe Grenze zwischen schwarzem Oberkopf und hellen Wangen.
Der Ohrentaucher im Bild ist ein wohl noch recht junger Vogel, der sich im Herbst 2015 mehrere Wochen auf dem Altrhein bei Roxheim aufgehalten hat und dort wenig scheu gut beobachtet werden konnte.


Ordnung: Procellariiformes (Röhrennasen)

Kommen wir jetzt zu einer ganz neuen Ordnung, den Röhrennasen, zu denen  unter anderem die bekannten Albatrosse gehören. Ihren Namen haben sie von den auf dem Schnabel verlaufenden Röhren (beim Eissturmvogel weiter unten gut erkennbar), über die sie Salz ausscheiden können, was ihnen erlaubt, Salzwasser zu trinken. Die Röhrennasen können daher ihr gesmtes Leben, bis auf die Brut, auf dem offenen Meer verbringen.
 
Familie: Hydrobatidae (Sturmschwalben), Sturmschwalbe (Hydrobates pelagicus)

Sturmschwalbe (Hydrobates pelagicus)
Sturmschwalben sind die kleinsten Röhrennasen und tatsächlich nur schwalbengroß und gehören damit zu den kleinsten Seevögeln überhaupt. Sie fangen ihre Beute, indem sie mit den Füßen auf der Wasseroberfläche trippelnd Ausschau halten und dann schnell zustoßen. Das "Sturm-" in den Namen vieler Röhrennasen beschreibt, dass die Vögel oft nur bei schlechtem Wetter in Küstennähe anzutreffen sind, also für landgebundene Beobachter nur mit Stürmen aufzutreten scheinen. Von Schiffen, wie bei der Überfahrt zu den Isles of Scilly sind sie dagegen im Sommer häufiger zu beobachten. Im Winter zeihen sie bis Südafrika

Familie: Procellariidae (Sturmvögel)

Eissturmvogel (Fulmarus glacialis)

Eissturmvogel mit Jungem
Eissturmvogel (Fulmarus glacialis)
Der auf den ersten Blick möwenähnliche Eissturmvogel brütet an Steilküsten, so dass wir das Glück hatten, ihn nicht nur vom Schiff aus, sondern auch an der Küste bei Newquay beobachten zu können. Sein Name deutet darauf hin, dass die Art ursprünglich vor allem in der Polarregion vorkam. Sie hat sich aber in den letzten 200 Jahren massiv nach Süden ausgebreitet, wahrscheinlich, da sie durch die beim Wal- und später Fischfang anfallenden Abfälle jetzt auch hier genug Nahrung findet.

Atlantiksturmtaucher (Puffinus puffinus

Atlantiksturmtaucher
Der Atlantiksturmtaucher ist eine der charakteristischen Arten der Scilly-Inseln, wo eine große Kolonie liegt. Während der Brutzeit kann man nachts seine etwas unheimlichen Rufe hören, allerdings waren wir dazu zu spät und konnten sie nur noch auf offener See antreffen. Auch Atlantiksturmtaucher ziehen im Winter in südlichere Gegenden ab und überwintern auf dem offenen Meer vor Südamerika.


Ordnung: Suliformes (Tölpelartige)

Familie: Phalacrocoracidae (Kormorane), Krähenscharbe (Phalacrocorax aristotelis)

Krähenscharben und ein Kormoran
Die Krähenscharbe ähnelt dem auch im Inland vorkommenden Kormoran, ist aber an felsige Küsten gebunden, kleiner, schlanker und viel geselliger als dieser. Außerdem sind die erwachsenen Tiere komplett schwarz, während die Jungtiere eine grauen Bauch haben. Dank des einen Kormorans im Bild, der sich wohl nach etwas Gesellschaft gesehent hat, kann man die beiden Arten Krähenscharben konnten wir fast überall auf den Isles of Scilly beobachten.

Basstölpel (Morus bassanus)

Familie: Sulidae (Tölpel), Basstölpel (Morus bassanus)

Nun, den Basstölpel als Seevogel des Jahres habe ich Euch ja gestern schon ausführlich vorgestellt, anstatt mich hier zu wiederholen, lade ich Euch also einfach ein, im Beitrag eins unter diesem weiterzulesen. Auch Basstölpel konnten wir bei der Überfahrt zu den Isles of Scilly beobachten, leider ist mir aber kein Bild von den spektakulären Sturztauchgängen gelungen, also müssen wir wohl noch einmal dort hin, dann vielleicht, wenn noch mehr Brutvogelarten dort sind...

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So, damit seid ihr auf dem aktuellen Stand. Die Gesamtvogelliste ist nun bei 227 Taxa (Arten und Unterarten), 2015 kam auf 155 davon und in Deutschland habe ich insgesamt 167 beobachtet. Mal sehen, was 2016 noch bringt (Stand bisher: 36, aber da geht sicher noch was ;)

Sonntag, 3. Januar 2016

Avifauna Europaea: Vogel des Jahres 2016

Okay, das neue Jahr hat begonnen und damit gibt es auch einen neuen Vogel des Jahres. Und da ich davon ein paar Bilder habe, stelle ich ihn Euch doch gleich mal vor, und den Seevogel des Jahres gleich mit. Und bevor sich jemand beschwert, dass ich Euch die Vögel Englands versprochen habe: Beide Arten haben wir auf den Isles of Scilly beobachtet und der Seevogel ist sogar neu. Also keine Beschwerden, bitte!

Vogel des Jahres 2016: Der Stieglitz

Der Stieglitz (Carduelis carduelis) gehört - wie unschwer am kräftigen Schnabel zu erkennen - zu den Finken. Mit ihrer blutroten Gesichtsmaske und den schwarz-gelben Flügeln gehören sie zu den auffälligsten Vögeln bei uns, auch wenn sie sich oft zwischen Zweigen und Blättern oder hoch in Büschen aufhalten und dann erstaunlich schwer zu sehen sein können. Männchen und Weibchen sehen sich sehr ähnlich, das Männchen ist nur etwas kräftiger gefärbt. Die Jungvögel haben allerdings noch einen braunen Rücken und Kopf und fallen nur durch das Gelb im Flügel auf. Der Name "Stieglitz" ist lautmalerisch und gibt ein flötendes Element des Gesangs wider. Insgesamt singen Stieglitze melodische, schnelle Strophen, wobei beide Geschlechter singen, die Männchen aber lauter.
Wie die meisten Finken ernährt sich auch der Stieglitz überwiegend von Samen und wie sein anderer deutscher Name "Distelfink" andeutet, sind die Samen von Distel und verwandten Pflanzen eine wichtige Nahrungsquelle. Stieglitze sind daher auch meist in halb-offenem Gelände, wie in Gärten, an Wegen und Waldrändern anzutreffen, wo Unkrautfluren ihnen ausreichend Nahrung bieten. Im Spätsommer kann man sie dabei als Familienverbände, im Herbst und Winter als kleine Schwärem beobachten.
Am häufigsten sind Stieglitze in Deutschland im gemäßigten Südwesten, wohin viele Vögel im Winter auch aus anderen Gebieten ziehen. Da sie auf "Unkrautsamen" angewiesen sind, hat ihr Gesamtbestand in den letzten 25 Jahren um etwa die Hälfte abgenommen. Wer also einem unserer auffälligsten Vögel eine Chance geben möchte, sollte ein wenig "Unordnung" in der Landschaft willkommen heissen!

Link: Stieglitz als Vogel des Jahres 2016 beim NABU

Seevogel des Jahres 2016: Der Basstölpel

Basstölpel
Der Basstölpel (Morus bassanus) ist sicher einer der beeindruckendsten Vögel, die man in Europa beobachten kann. Das liegt zum einen an seiner beeindruckenden Größe mit bis zu 180 cm Spannweite und zum anderen an seiner spektakulären Jagdweise. Basstölpel fangen Fische nämlich nicht von der Oberfläche, sondern in mehreren Metern Wassertiefe. Im Gegensatz zu zum Beispiel Kormoranen sind sie aber keine guten Taucher, sondern erreichen diese Tiefen, indem sie sich aus meist 10 bis 20 Metern Höhe im Sturzflug ins Wasser stürzen. Wenig später ploppen sie dann, von den Lufsäcken, die bei allen Vögeln mit der Lunge verbunden sind, nach oben getrieben wieder aus dem Wasser hervor.
In Deutschland besteht seit 1991 eine kleine Basstölpelkolonie mit inzwischen über 500 Brutpaaren auf Helgoland, die meisten Tiere leben aber an den britischen Küsten. Die Bilder sind alle von der Überfahrt zu den Isles of Scilly.
Jungvogel
Ihre spektakuläre Jagdweise ist für die Basstölpel heute leider immer wieder verhängnisvoll, da sie sich dabei auch leicht unter Wasser in Fischernetzen verfangen und dann ertrinken. Weitere Probleme bereiten ihnen der Plastikmüll im Meer, der leicht mit Beute verwechselt wird und möglicherweise auch Offshore-Windparks, deren Rotoren die großen Vögel nicht immer ausweichen können. Zwei andere Gefahren, die früher zu großen Verlusten geführt haben, das Sammeln von Basstölpeleiern und das Auslaufen von Öl, absichtlich oder durch Unfälle, in die Nordsee, gehören heute glücklicherweise nicht mehr zu den großen Bedrohungen. Insofern steht der Basstölpel nicht zuletzt auch für die sich ständig verändernden und komplexen Bedrohungen unserer Umwelt.

Link: Basstölpel als Seevogel des Jahres beim Verein Jordsand