Posts mit dem Label Entomofauna werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Entomofauna werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 17. April 2018

Libellen in Heidelberg (und ein paar von anderen Orten)


Zur Abwechlung gibt es heute mal keine Vögel - aber keine Angst, ich mache Euch die Umstellung leicht und bleibe erstmal bei fliegenden Tieren: Libellen!

Libellen sind außergewöhnlich gute Jäger - manche Arten erreichen bei ihrer bevorzugten Beute Erfolgsquoten über 90%. Löwen schaffen selten 30% und selbst bei Wildhunden mit ihrer ausgeklügelten Jagd im Rudel schlägt noch jede dritte Jagd fehl. Das liegt zum einen an ihren großen Facettenaugen, mit denen sie scharf schnelle Bewegungen vor hellem Hintergrund verfolgen können. Dazu kommen vier einzeln steuerbare Flügel - bei den meisten Insekten werden die Flügel gemeinsam durch Zusammenziehen der Brust geschlagen, was energieeffizienter ist - aber die Manövrierfähigkeit des Vierflügelantriebs ist unübertroffen - stabilisiert wird der Flug durch den langen Hinterleib. Und dann sind da die Beine, die nach vorne gerichtet sind, um einen Fangkorb zu bilden - Laufen können Libellen damit kaum mehr, so dass sie auch für kleine Positionswechsel normalerweise fliegen.
Großlibellenlarve
Ebenso spektakulär wie der Beutefang ist die Paarung. Das Männchen greift dazu das Weibchen am Hinterkopf oder vorne am vorderen Rücken und die beiden können so als Tandem fliegen. Dann biegt das Weibchen seinen Hinterleib nach vorne, um Sperma vom Männchen aufzunehmen und beide bilden das sogenannte Paarungsrad. Bei der dann folgenden Eiablage kann das Männchen das Weibchen weiter bewachen, so dass sie wieder als Tandem weiterfliegen. Auch die Larven, die sich aus den Eier entwickeln sind schon erfolgreiche Jäger, die ihre Beute mit einer Fangmaske fangen, die sie blitzschnell unter dem Kopf ausklappen können.
Innerhalb der Libellen lassen sich zwei Unterordnungen unterscheiden: Die pfeilschnellen Großlibellen mit riesigen Augen und in Ruhe seitlich ausgestreckten Flügeln und die langsamer, taumelnder fliegenden Kleinlibellen, die ihre Flügel in Ruhe über dem Rücken zusammenlegen.

Großlibellen (Anisoptera)

Edellibellen (Aeshnidae)

Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea

Weibliche blaugrüne Mosaikjungfer
Blaugrüne Mosaikjungfer (Männchen)
Die Großlibelle schlechthin bei uns ist sehr häufig von Juli bis Oktober an langsam fließenden oder stehenden Gewässern, auch an Gartenteichen anzutreffen. Die Männchen haben eine hellgrüne Brust und einen blauen Hinterleib und die Weibchen sind vollständig grün. Die blaugrüne Mosaikjungfrer jagt indem sie ihr Revier nach Beute abfliegt und kann sich dabei auch ziemlich weit vom Wasser entfernen. In Heidelberg trifft man sie im Botanischen Garten und an vielen Teichen aber auch im Bergfriedhof patrouillierend an.

Große Königslibelle (Anax imperator)
Große Königslibelle (Männchen)
Große Königslibelle (Weibchen)
Diese beeindruckende  Libelle steht der blaugrünen Mosaik-jungfer in Größe nicht nach und findet sich von Juni bis August an ähnlichen Gewässern mit ähnlicher Jagdweise. Am leichtesten zu unterscheiden sind die Arten durch die bei der Königslibelle fehlende dunkle Musterung der Brustseiten.

Segellibellen (Libellulidae)

Plattbauch (Libellula depressa
Plattbauch

Der Plattbauch ist durch seinen breiten, abgeflachten Hinterleib unverwechselbar. Dieser ist bei den Männchen hellblau, bei den Weibchen erst gelbbrau und bei älteren Tieren dunkler. Sie leben ebenfalls an kleinen stehenden Gewässern, sind aber wie die anderen Segellibellen auch im Gegensatz zu den Edellibellen Ansitzjäger, die auf Beute lauern und ihr dann in schnellem Flug folgen. Das macht es natürlich auch deutlich einfacher, sie zu fotografieren! Sie fliegen von Mai bis Juli.



Vierfleck (Libellula quadrimaculata)
Vierfleck
Vierfleck
Diese hübsche Libelle findet sich an kleinen Weihern und in sumpfigen Gebieten und ist an ihrer Flügelzeichnung leicht zu erkennen. Die Färbung ist variabel, wobei sich die Geschlechter nicht auffällig unterscheiden. Eine Besonderheit ist, dass Vierflecke in zum Teil sehr großen Schwärmen wandern, die mehrere Milliarden Tiere umfassen können! Zu beobachten ist sie von Mai bis August.


Großer Blaupfeil (Männchen)
Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)
Großer Blaupfeil (altes Weibchen)
Bei dieser Libelle ähnelt das Männchen einem nicht platten Plattbauch, die Weibchen sind gelb mit einem schwarzen Gittermuster und verblassen später. Der große Blaupfeil bevorzugt sonnige Gewässer und sonnt sich auch gerne auf Steinen oder an anderen freien Bodenflächen. Sie sind von Mai bis September anzutreffen.

Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum)
Blutrote Heidelibelle
Die untereinander recht ähnlichen Heidelibellenarten sind relativ klein für Großlibellen und die Männchen sind leuchtend rot. Bei der blutroten Heidelibelle sind die Beine komplett schwarz. Die Weibchen sind meist bräunlich-gelbrot, können aber auch komplett rot sein. Die Art kommt an kleinen Stillgewässern vor und fliegt von Juli bis November.





Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum)
Große Heidelibelle (Paarung)
Die große Heidelibelle ist etwas größer als die blutrote, hat schwarze Beine mit hellen Längsstreifen, eine schwarz gemusterte Brust mit helleren Seitenstreifen und die Stirn ist bis zu den Augen schwarz. Sie fliegen von Juni bis November an flachen, warmen Gewässern und zum Beispiel auch in Sandgruben.








Gemeine Heidelibelle
Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum)
Diese der großen Heidelibelle sehr ähnliche Art ist nur etwas kleiner, hat eine schwarze Stirnzeichnung, die etwas an den Augen herabläuft und weniger gemusterte Brustseiten.Sie fliegt von Juni bis November an vielen verschiedenen Kleingewässern.



Kleinlibellen (Zygoptera)

Prachtlibellen (Calopterygidae)

Gebänderte Prachtlibelle (Weibchen)
Gebänderte Prachtlibelle (Männchen)
Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens)
Diese häufige und auffällige Kleinlibelle fliegt von Mai bis September an langsam fließenden, sonnigen Gewässern wie dem Neckar, wobei die Männchen in einem schmetterlingsartig wirkenden Flug ihre blauen Flügelmale präsentieren und so wohl Konkurrenten und die unauffälligeren Weibchen zu beeindrucken versuchen.

Schlanklibellen (Coenagrionidae)

Hufeisen-Azurjungfern (Paarung)
Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella
Diese ebenfalls sehr häufige Art kommt eher an stehenden Gewässern vor und fliegt von Mai bis August. Auffällig bei der Paarung ist, dass die Männchen die Weibchen bei der Eiablage bewachen und man die Paare so oft über längere Zeit gemeinsam beobchten kann. Der Name stammt von einem hufeisenförmigen Mal auf dem zweiten Hinterleibssegment der Männchen.



Fledermaus-Azujungfer
Fledermaus-Azurjungfer (Coenagrion pulchellum
Bei dieser weiteren Art aus der Gattung der sich unterienander sehr ähnlichen Azurjungfern sieht die Zeichnung auf dem zweiten Hinterleibssegment der Männchen ein wenig wie eine Fledermaus aus (auf das Bild kilcken für Vergrößerung). Sie fliegt von Mai bis Juni an tiefen stehenden Gewässern.

Kleines Granatauge
Kleines Granatauge (Erythromma viridulum
Beim kleinen Granatauge haben die Männchen auffällig rote Augen. Dem sehr ähnlichen großen Granatauge fehlt im vergleich die X-förmige Zeichnung auf dem zehnten Hinterleibssegment. Als wärmeliebende Art breitet sich das Granatauge derzeit in Mitteleuropa aus und fliegt von Juni bis September am Rande der Schwimmblattzone von Gewässern.

Große Pechlibelle
Große Pechlibelle (Ischnura elegans
Erkennbar am pechschwarzen Hinterleib mit einem hellblauen "Schlusslicht" (Das weiter vorne liegt als bei der kleinen Pechlibelle) fliegt die große Pechlibelle von Mai bis September. Im Gegensatz zu den meisten anderen Schlanklibellen lassen die Männchen die Weibchen bei der Eiablage alleine. Sie besiedeln alle möglichen stehenden oder langsam fließenden Gewässer und sind relativ anspruchlos.

Teichjungfern (Lestidae)

Weidenjungfer
Weidenjungfer (Chalcolestes viridis
Diese wunderschön metallisch grüne Libelle ist die häufigste Teichjungfer bei uns und fliegt von Juli bis Oktober an langsam fließenden oder stehenden Gewässern mit Weicholzbeständen wie Weiden am Ufer. Auch hier werden die Weibchen bei der Eiablage von ihren Männchen begleitet. Sie legen ihre Eier bevorzugt von über das Wasser hängenden Zweigen ab.
Die Weidenjungfer habe ich auf Spiekeroog fotografiert.





Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa
Weidenjungfer
Diese metallisch grüne und hellblaue Libelle besidedelt Tümpel und Moore, die auch gelegtnlich trockenfallen dürfen, da ihre Eier dies überleben können. Sie fliegt von Mai bis Oktober.
Die gemeine Binsenjungfer habe ich auf Spiekeroog fotografiert.

 






Federlibellen (Platycnemididae)

Blaue Federlibelle (Männchen)


Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes)
Diese zart gebaute Kleinlibelle hat ihren Namen von den mit Borsten bestandenen Beinen, die dadurch wie Federn aussehen. Sie kommt an stehenden und langsam fließenden Gewässern mit vielen Wasserpflanzen vor.
Blaue Federlibelle (Weibchen)

Dienstag, 3. Juni 2014

Wirbellose Yucatans

Okay, dann wollen wir die Tierwelt Yucatans, die wir so beobachten konnten, mal komplettieren und stellen noch all die Wirbellosen vor, die uns so begegnet sind. Da es hier oft keine eindeutigen deutschen Namen gibt, gebe ich hier teilweise die übersetzten englischen Namen in Anführungszeichen an. Und los geht's!

Insekten (Insecta)

Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)

Syntomeida epilais
Fangen wir mit den vielleicht beliebtesten Wirbellosen an: Den Schmetterlingen. Im Palladium-Hotel ist uns die auffällige Raupe von Syntomeida epilais, einem Bärenspinner (Familie Arctiidae) begegnet. Der ausgewachsene Schmetterling ist schwarzblau mit weißen Flecken und länglichen Flügeln - die Raupe sieht beinahe noch auffälliger aus.




Ascalapha odorata
Der vielleicht beeidruckendste Schmetterling, den wir beobachtet haben, war eine "Schwarze Hexenmotte" (Ascalapha odorata, Familie Noctuidae - Eulenfalter), die wir in den Ruinen von Chicanna gesehen haben. Mit einer Flügelspannweite von etwa 15 Zentimetern und einer Musterung wie dunkler Spitze ein echter Blickfang!

Adelpha paraena massilia
Kleiner, aber bunter war dagegen Adelpha paraena massilia (Familie Nymphalidae - Edelfalter), den wir auch in unserer Hotelanlage angetroffen haben.




Ascia monuste
In Coba sind uns mehrere "Große südliche Weißlinge" (Ascia monuste, Familie Pieridae - Weißlinge) begegnet, die am Seeufer getrunken haben.








Zünsler in Palenque
Zünsler Palladium Hotel
Nicht bis zur Art bestimmen konnte ich die beiden Zünsler (Pyralidae), die wir am Rand des Regenwalds in Palenque und in unserem Hotel an der Riviera Maya getroffen haben - hübsch sind sie trotzdem!




Eumorpha vitis vitis
Last but not least waren da noch der auffällig elegante "Rebenschwärmer" (Eumorpha vitis vitis, Familie Sphingidae - Schwärmer). Der Name spielt darauf an, dass die Raupen an Weinarten (Vitis) fressen. Getroffen haben wir ihn auf der Damentoilette von Palenque.







Andere Insekten

Schrecke in Chicanna
Schrecke im Inland von Campeche
Käfer
Natürlich gibt es in Yucatan noch viele andere Insekten außer Schmetterlingen. Zum Beispiel gibt es da Kürzfühlerschrek- ken (Ordnung Caelifera), von denen wir eine beeindruckend große, kräftige, schwarze in Chicanna getroffen haben und eine kleine, gut getarnte im Inland von Campeche. Ganz in der Nähe von der zweiten saß auch ein winzig kleiner Käfer (Ordnung Coleoptera) - ach ja, ich vermisse meine alte Kamera mit dem guten Makro ein bisschen... Aber die neue, die ich inzwischen habe ist auch ziemlich gut!
Schrecke in Palenque
Schrecke beim Hotel
Langfühlerschrecken (Ordnung Ensifera) haben wir zwei nachtaktive getroffen, eine kleine am Rand des Regenwalds in Palenque und eine große, die am Rand einer der Lampen unserer Hotelanlage an der Riviera Maya saß.








Goldene Ernteameise
Ernteameise (?) in Misol Ha
Und natürlich gibt es eine ganze Menge Ameisen (Ordnung Hymenoptera - Hautflügler, Familie Formicidae), von denen ich aber leider auch die meisten nicht bestimmen konnte - mit Ausnahme der Goldenen Ernteameisen (Camponotus sericeiventris), die ihren Namen ziemlich offensichtlich zu Recht trägt!
Ameise in Palenque
Ameisenmüllhalde in Coba






Spinnentiere (Arachnida)

Spinnen (Araneae) haben wir ein paar in Palenque getroffen, eine mit Beinen etwa handgoße und eine deutlich kleinere Jagdspinne (Überfamilie Lycosoidea) sowie eine kleine Zitterspinne (Familie Pholcidae).

In Becan haben wir außerdem Tarantellöcher gesehen - wahrscheinlich von der Schwarzroten Vogelspinne (Brachypelma vagans, Familie Theraphosidae - Vogelspinnen), die unser Reiseleiter mit einem Grashalm ein Stückchen weit hervorlocken konnte.



Krebstiere (Crustacea)

Westatlantische Reitkrabbe
Die vielleicht interessanteste Begegnung mit  Wirbellosen Tieren hatten wir am Strand der Riviera Maya, als wir abends etwas helles über den Strand huschen sahen - fast nicht vom Sand zu unterscheiden, aber sobald man einmal den Blick dafür hatte, war der Strand plötlich übersät von winzigen Fussspuren und kleinen geisterhaften Krabben mit schwarzen Stielaugen, die schnell zu ihren Löchern huschten. Die Westatlantische Reitkrabbe (Ocypode quadrata, Familie Ocypodidae) hat im Englischen daher auch den treffenden Namen "Atlantic Ghost Crab".


Weichtiere (Mollusca)

Süßwasserschnecken  (Klasse Gastro- poda) haben wir in einem Bach bei Palenque gesehen, wo die alten Häuser durch Kalkablagerungen eingebettet worden waren, sowie im See von Coba.






Häuser von Landschnecken und einer großen Meeresschnecke haben wir am Karibikstrand der Riviera Maya gefunden und eine Reihe von Muschelschalen (Klasse Bivalvia), sowie eine weitere Meeresschnecke haben wir am Strand des Golf von Mexiko in Celestun gefunden.








Nesseltiere (Cnidaria)

Last but not least haben wir am Karibikstrand auch eine Reihe von Korallenskeletten, sowie eine angeschwemmte Koralle gefunden - vor der Küste liegt mit dem  Belize Barrier Reef nämlich das größte Korallenriff der Nordhalbkugel!




So, das war die Tierwelt Yucatans! Dann auf zum nächsten Thema, vielleicht nehme ich dann mal die Rundreise in Angriff...